Kommentare zu: Was hat die Finanzkrise mit der Blogosphäre zu tun? https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/ Innenansichten Mon, 09 Feb 2009 17:08:40 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Von: Daniel Dietrich https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1127 Mon, 09 Feb 2009 17:08:40 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1127 Danke für den schönen Artikel und die interessante Diskussion. Es ist erfreulich, dass sich die „Linke Medienakademie“ unter dem Titel „Das Comeback der Überzeugungen“ mit der Frage beschäftigt, wie sich eigentlich die Finanzkrise (a.k.a. Krise des Kapitalismus) auf die Medienlandschaft insgesamt und hier besonders auf linke, alternative, nicht-kommerzielle (was nicht immer deckungsgleich ist) Medien auswirkt.

Das ist ein interessantes Thema und es lohnt bestimmt die (oft prekären) Bedingungen der Produktion von Medieninhalten jenseits der Kategorien wie ‚Amateur‘- vs. ‚Profi‘- Medienschaffende zu untersuchen.

Auf dem vermeintlichen Spannungsfeld von Glaubwürdigkeit / Professionalität der Inhalte vs. dem emanzipatorischen Charakter von partizipativen Medienkonzepten erleben wir ja derzeit widersprüchliche Tendenzen, wenn z.B. „Wikipedia“ zur vermeintlichen Verbesserung der Inhalte vermehrt Kontrolle und Hierarchien aufbaut (http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/7851400.stm) während die „Encyclopaedia Britannica“ verstärkt das Mitmachen fördern will (http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/7846986.stm).

Zur Debatte auf der Konferenz selbst, befürchte ich, dass auch hier eine vordergründige und irreführende Gegenüberstellung von Staat und Kapital (die doch letztlich immer nur zwei Seiten des selben gesellschaftlichen Kapitalverhältnisses sind) verhindert diese Krise des Kapitalismus überhaupt auch nur begrifflich zu beschreiben. So als sei der Staat der bessere, „verantwortungsvollere“ Kapitalist und Konjunkturprogramme quasi etwas linkes oder emanzipatives.

Wenn einem schon diese Begriffe fehlen wird man auch nicht viel über die Auswirkungen der Krise auf die Medienproduktion sagen können. In dieser Hinsicht bewegen sich fast ausnahmslos alle Diskurse innerhalb der bürgerlichen Medien (seien sie nun links oder liberal) wie auch innerhalb der meisten Blogbeiträge innerhalb der hegemonialen Matrix des Kapitals selbst. Eine Unmöglichkeit etwas anderes auch nur zu denken.

BTW: Ein Buch das sich zur Zeit besonders schön noch einmal liest: Robert Kurz „Schwarzbuch Kapitalismus“ – schöne Grüße Daniel

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Von: Ingo https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1126 Sun, 01 Feb 2009 13:10:08 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1126 Ich glaube der springende Punkt ist auch, dass die sog. ExpertInnen und auch die politische Klasse selbst nicht weiß, was sie sagen oder nicht sagen soll. Den Punkt hat Michael Heinrich in einem Beitrag für die jungle world schön dargestellt (http://jungle-world.com/artikel/2009/02/32408.html). Wenn Steinbrück alle paar Wochen seine Aussagen ändern muss (sogar zuerst glaubte, die Krise bleibe auf die USA beschränkt!), Zimmermann vom DIW vorschlägt, man solle jetzt mal das Erstellen von Prognosen für eine Weile sein lassen, dann zeigt das nur eines: Auch diejenigen, die unter guten Bedingungen schreiben oder forschen können, wissen nicht was die Zukunft bringen wird. Für die politische Klasse ist es noch diffiziler: Sie müssen Vertrauen und Konsens organisieren, die Reproduktion des Kapitals garantieren etc. Und nur in diesem Sinne würde ich auch die Krise als eine Chance begreifen: Die Linke ist derart fragmentiert und hilflos, dass es ihre originäre Aufgabe sein müsste, dass die subalternen Klassen eine eigene Sicht der Dinge entwickelt und ihre Bedürfnisse klar macht. Eigentlich schon eine riesige Aufgabe, weil sie nämlich unterschiedliche Interessen und Sichtweisen zusammen bringen muss – organisiert. Zu mehr ist sie derzeit nicht in der Lage und auf mehr hofft, überschätzt glaube ich die Möglichkeiten (siehe auch http://www.labournet.de/diskussion/wipo/finanz/gindin.html). Auf die Weisheit, dass der Kapitalismus an allem schuld ist wartet niemand so recht. Auch wenn es natürlich stimmt. Und hierfür könnten blogs wichtig sein, weil die kommerziellen Massenmedien nach wie vor auf Ihre ExpertInnen zurückgreifen müssen und werden – schließlich wollen sie seriös sein. Was sie aber eben nicht sein können. Zudem verschleiern sie gerade dadurch den Klassencharakter der Krisenverarbeitung. Das habe ich in einem kurzen Statement zu einer Forderung des BDI versucht deutlich zu machen (http://www.stuetzle.in-berlin.de/?p=130). In diesem Sinne ist vielleicht auch die Einladung zu verstehen. Viele sind trotz kluger Analyse etc. mit dem Latein am Ende. Eben auch die Linke links von der Sozialdemokratie (Linkspartei, attac), die z.Z. nicht mehr beiträgt als: Das haben wir doch schon immer gesagt! Gleichzeitig ist die Unzahl und der fragmentarische Charakter der Blogs natürlich auch nicht gerade die Form, in welcher der desolate Zustand überwunden werden kann. JedeR finden seine Spielwiese und man ist nur selten gezwungen, auf andere Interessen, Argumente und Bedürfnisse einzugehen…

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Von: olga https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1125 Sat, 31 Jan 2009 17:34:28 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1125 Ich befürchte, ich hatte mich nicht nur nicht gut ausgedrückt sondern auch noch das Thema verfehlt. Angelockt von der expliziten Möglichkeit der Interaktivität wollte ich Dir nicht unterstellen, dass Du einen bedeutsamen Unterschied zwischen „Amateur-“ und „Profi-„Beiträgen machst. Vielmehr hatte ich diesen Unterschied aufgemacht, weil die Einladung zu der Veranstaltung in meinen Gedanken den Raum dafür hergibt, klassische Vorstellungen von Journalismus zu thematisieren – und dies dann eben im Gegensatz zu web2.0, ich hatte dies fälschlicherweise als ein Thema der Diskussionsrunde ausgemacht.
Ich denke auch, dass die Qualität von Beiträgen unabhängig von Bezahlung sein kann, aber nicht muss. Will sagen, es gibt keinen zwingenden Zusammenhang zwischen beiden Sphären, was Deine Beispiele zeigen.

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Von: otti https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1124 Sat, 31 Jan 2009 14:00:34 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1124 Amerika ist mal wieder weiter!
http://www.cjr.org/…e_to_bailout_transparenc.php

Wer kontrolliert bei uns Merkel und Steinbrück oder eine verantwortungslose Finanzelite?

Warum werden die nicht allesamt vor Gericht gestellt?!

Für unvorstellbare Schäden sind die in die Pflicht zu nehmen.
Das ist kapitalistischer Terror übelster Sorte, der uns alle massiv bedroht!

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Von: Anne Roth https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1123 Sat, 31 Jan 2009 10:26:12 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1123 Die Teilung in ‚Amateur‘- und entsprechend auf der anderen Seite ‚Profi‘-Beiträge ist von mir bestimmt als allerletztes beabsichtigt. Wenn das so klingt, tut es mir leid. Ich glaube, dass einige JournalistInnen, u.a. weil sie bezahlt werden, bessere Bedingungen zum Schreiben haben. Das trifft aber für die meisten inzwischen ja auch gar nicht mehr zu. Und die Bezahlung allein ist sicher auch nicht ausreichend für gute Texte. Auf der anderen Seite stehen ja dann der Chefredakteur, die WerbekundInnen, die WAZ oder Bertelsmann, der Zeitdruck – keine Garantie für Qualität.

Im Grunde ist die Einteilung in JournalistInnen auf der einen und ‚die anderen‘ auf der anderen Seite schon Quatsch. Die wird z.T. von JournalistInnen vorangetrieben, die – nicht ganz zu Unrecht – ihre Felle davon schwimmen sehen und ja auch wirklich zunehmend grauenhafte Arbeitsbedingungen haben. Berechtigt ist sie nicht, dafür sind ja gerade Blogs ein schöner Gegenbeweis. Und nicht primär, weil da überall so wunderbare Texte stünden, sondern weil die Interaktivität mehr möglich macht. Deswegen gefällt mir ja die Idee des Freitag-Experiments.

(Disclaimer: ich habe hier stark verallgemeinert und könnte das noch VIEL differenzierter ausdrücken und wollte definitiv niemandem zu nahe treten)

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Von: olga https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1122 Sat, 31 Jan 2009 09:54:30 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1122 Wenn mensch davon ausgeht, dass die „kommerziellen“ Medien nur warenförmige Inhalte anbieten (können) und BloggerInnen im Gegensatz dazu „authentisch“ berichten können (weil sie nicht davon leben können/wollen/….), dann ist das in meinen Augen – durchaus berechtigtes – Denken in alten Mustern.
Interessant fände ich die Frage, ob denn „Amateurbeiträge“ (so lese ich Deine Einladung zur Diskussionsrunde als wenig schmeichelhaft zwischen den Zeilen) zum Weltgeschehen und ihre verschiedenen Formate Eingang finden können in das hegemoniale Bild einer Zeit, das ja meist nur von den ach so „neutralen“ Medienberichten beherrscht bzw. hergestellt wird.
Ich stelle mir vor, dass durchaus auch bislang als „subjektiv“ abgewertete Beiträge berechtigten Eingang finden können sollten – auch zu großen gesellschaftlichen Themen wie Finanzkrise.

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Von: otti https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1121 Sat, 31 Jan 2009 01:12:54 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1121 Die amerikanische Blogosphäre (BigPicture, Roubini etc.)ist eine Fundgrube für derartige Informationen. Gedruckte Medien können da in keiner Weise mithalten.
Als deutschsprachiges Blog ist http://www.weissgarnix.de zu erwähnen.

„Das Comeback der Überzeugungen“
Wie wär’s mit einem Comeback der Wahrheit oder der Wahrhaftigkeit oder zumindest journalistischer Redlichkeit?
Das ist das, was die Blogospäre mehrheitlich auszeichnet. Immerhin auch ebbes (etwas).

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Von: Benni Bärmann https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1120 Sat, 31 Jan 2009 00:22:46 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comment-1120 Also es wurde viel zur Finanzkrise gebloggt und es war anders als das was man in den Medien – auch in linken – gefunden hat. Da ist naturgemäß aller möglicher Bullshit dabei, der es halt nicht in eine Zeitung schafft, weil die sich sowas nicht leisten könnten, weil dann die Hälfte ihrer Leser erbost das Abo kündigen und die Hälfte der Anzeigenkunden noch dazu. Und zwar unabhängig von der politischen Ausrichtung. In all diesem Bullshit hab ich immer wieder Perlen gefunden und sei es nur Links auf interessante Fakten, die ich sonst nirgendwo gefunden hatte. Aber tatsächlich war die Hauptbloggerei immer noch sehr Medienfixiert. Mir selbst hat mein eigenes Krisenbloggen sehr geholfen beim Denken.

Vielleicht auch noch interessant zum Thema vom Schreiben nicht leben können/wollen/sollen/dürfen/müssen: Alles was bei uns im Zusammenhang mit der Re:Publica von Stefan veröffentlicht wurde: http://www.keimform.de/?s=re%3Apublica

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