Kommentare zu: Heute vor 20 Jahren wurden 14 Technik-Studentinnen in Montréal erschossen https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/ Innenansichten Tue, 15 Dec 2009 03:53:04 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Von: Élise Hendrick https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1699 Tue, 15 Dec 2009 03:53:04 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1699 „Soweit [die Worst-Case-Vermutung] wirklich nur Vorkehrung ist, ist es für mich auch OK. Aber ich finde, es gibt schon auch feministische Theorien, die Männer generell in die Täterecke schieben.“

Es gibt ja alle möglichen feministischen Strömungen. Da kann man eigentlich nur differenziert ran, denn verallgemeinernde Aussagen treffen bei zunehmender Konkretisierung umso weniger zu. Es gibt z.B. Strömungen, die in der Frauenbewegung noch nie mehrheitsfähig waren, die in jedem Mann sowas ähnliches wie „den Klassenfeind“ sehen, die also nicht nur strukturelle Rollen untersuchen, sondern Feindbilder konstruieren. Das muß man vom viel eher mehrheitsfähigen strukturellen Ansatz – die hierarchische Stellung als willens- und wissensunabhängige soziale Wirklichkeit – differenzieren. In den Medien und in anderen Kreisen wird das ganze auf unsinnige Art vermengt, um einen feindbildtauglichen Feminismus herzustellen.

Etwas ähnliches sieht man z.B. im linken Diskurs zum Thema Polizei. Es gibt eben diejenigen, die in jedem Bullen den absoluten Feind sehen, der ganz bewußt die Arbeiterklasse (u.v.m.) unterdrückt, und diejenigen, die zwischen Bewußtsein und Willensorientierung des einzelnen und gesellschaftlicher Rolle der Einrichtung als Ganzer unterscheiden. Und natürlich jede nur erdenkliche Zwischenfärbung.

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Von: Internetausdrucker https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1698 Mon, 14 Dec 2009 12:43:46 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1698 @Elise
„Man muß das nämlich vom Wahrnehmungshorizont der nachts (oder sonst irgendwann irgendwo) allein auf der Straße gehenden Frau aus verstehen. Die Männer, vor der Frauen auf der Hut sein müssen, tragen kein eindeutiges Kennzeichen. Welcher wildfremde Mann so etwas tun wird, läßt sich nicht augenscheinmäßig ermitteln.“

Das ist für mich sofort einsichtig und sogar nachfühlbar. Den Grund habe ich vor Tagen schon beschrieben: Als ich stets potenzielles Opfer von Naziglatzen war, habe ich natürlich auch nie erst gefragt, wohin ein Kurzhaariger gehört, sondern ganz pauschal mich in Sicherheit gebracht.

²Es handelt sich also in aller Regel nicht um irgendeine persönliche Anschuldigung oder Unterstellung, sondern um eine Vermutung im Zweifelsfalle, die wie soviele andern auf der Tatsache basiert, daß es weniger riskant ist, sicherheitshalber vom schlimmsten Fall auszugehen (z.B. jedes ungeprüfte, industriell hergestellte Lebensmittel ist eine potentielle Infektionsquelle, u.v.a.m.).“

Das ist einerseits klar und verständlich. Andererseits ist dieses Worst-Case-Denken natürlich gefährlich. Es dient ja gleichermaßen als Rechtfertigung für Repressionen gegen bestimmte Menschengruppen, z.B. Muslime, um Vorkehrungen gegen eventuelle Terroranschläge zu treffen. Aus der Vorsicht kann schnell eine Vorverurteilung werden. Aber wie gesagt, ich bin (siehe oben) nicht frei davon.

Soweit es wirklich nur Vorkehrung ist, ist es für mich auch OK. Aber ich finde, es gibt schon auch feministische Theorien, die Männer generell in die Täterecke schieben. Und das scheint etliche Leute doch zunehmend zu nerven. Wenn mir nachts eine Frau aus dem Wege geht, dann ist das für mich völlig in Ordnung. Aber wenn ich auch bei anderen Gelegenheiten in einen Topf geworfen werde mit durchgeknallten Frauenmördern und gewaltfreudigen Machos, dann geht bei mir die rote Lampe an.

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Von: Élise Hendrick https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1697 Sun, 13 Dec 2009 19:23:31 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1697 „Ich glaube sofort, dass viele Männer es Scheiße und persönlich unangenehm finden, wenn sie bemerken, dass eine Frau nachts allein auf der Straße Angst hat. Dass sie vielleicht die Straßenseite wechseln, damit sie nicht das Gefühl hat, dass sie (die Männer) hinter ihr herlaufen. Oder wenn sie (die Männer) sowas beobachten, sich nicht wohl oder hilflos fühlen. Oder oder.“

Oder, um ein Beispiel zu nennen, an dem viele Männer ziemlichen Anstoß nehmen, die Wendung „potentieller Vergewaltiger“, was viele Männer als einzelpersonenbezogene Anschuldigung mißverstehen. Da die Frauenfeindlichkeit in nicht geringem Maße von diesem Mißverständnis – das auch mit dem von Anne Angesprochenen sehr viel zu tun hat – profitiert, wäre es vielleicht gut, jetzt damit aufzuräumen.

Man muß das nämlich vom Wahrnehmungshorizont der nachts (oder sonst irgendwann irgendwo) allein auf der Straße gehenden Frau aus verstehen. Die Männer, vor der Frauen auf der Hut sein müssen, tragen kein eindeutiges Kennzeichen. Welcher wildfremde Mann so etwas tun wird, läßt sich nicht augenscheinmäßig ermitteln. D.h., so ziemlich jeder Unbekannte, der an einer vorüberzieht könnte zwar völlig harmlos, oder eben brandgefährlich sein. Im Interesse der eigenen Sicherheit und körperlichen Unversehrtheit ist es vor dem Hintergrund sinnvoll, von potentieller Gefahr auszugehen.

Es handelt sich also in aller Regel nicht um irgendeine persönliche Anschuldigung oder Unterstellung, sondern um eine Vermutung im Zweifelsfalle, die wie soviele andern auf der Tatsache basiert, daß es weniger riskant ist, sicherheitshalber vom schlimmsten Fall auszugehen (z.B. jedes ungeprüfte, industriell hergestellte Lebensmittel ist eine potentielle Infektionsquelle, u.v.a.m.).

Überhaupt scheinen die Probleme vieler Männer mit dem (von ihnen wahrgenommenen) Feminismus an derartigen Mißverständnissen zu liegen: Allgemeine Strukturbeschreibungen werden als persönliche Unterstellungen aufgefaßt.

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Von: Internetausdrucker https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1696 Sun, 13 Dec 2009 12:41:47 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1696 @Anne
Vielen Dank für Deinen guten Kommentar. Deine Adventsharmonie ist ansteckend. Die meisten Deiner Aussagen kann ich unterschreiben. Einigem würde ich widersprechen wollen. Aber Deine ausgleichende Art finde ich gut.

Was ich sonst noch dazu sagen wollte, habe ich drüben in meinem blog gepostet:
http://internetausdrucker.wordpress.com/…frauen/

Meine Antwort ist lang geworden und ich wollte Deine Seite nicht damit vollspammen.

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Von: Anne Roth https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1695 Sun, 13 Dec 2009 11:33:17 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1695 Ich sehe ganz adventsharmonisch hier keinen ganz so großen Widerspruch – ich finde, in Teilen habt ihr beide recht.

Klar sind etwa Männer viel häufiger Gewaltopfer, weil Gewalt viel mehr unter Männer stattfindet. Genauso sitzen ja auch viel mehr Männer im Knast – in absoluten Zahlen.

Ich bin auch der Meinung, dass Männer wie Frauen letzten Endes durch patriarchale Gesellschaften benachteiligt werden und eigentlich großes ureigenes Interesse haben müssten, das zu ändern. Eigentlich ist es doch viel angenehmer, um es mal etwas platt runterzubrechen, weniger stark konkurrenzorientiert in tatsächlich gleichberechtigen Beziehungen zu leben etc. etc.

Insofern sind wir alle ‚Opfer der Zustände‘.

Aber eben in unterschiedlichem Maß.

Genauso halte ich nämlich für richtig, dass Männer in der Regel (das sind zur Verdeutlichung von Strukturen hier alles starke Verallgemeinerungen und natürlich gibt es jede Menge Ausnahmen in alle Richtungen..) mehr von patriarchalen Strukturen profitieren, einfach weil sie sich eher aussuchen können, ob sie auf der Gewinner- oder Verliererseite in diesem Spiel stehen.

Ich glaube sofort, dass viele Männer es Scheiße und persönlich unangenehm finden, wenn sie bemerken, dass eine Frau nachts allein auf der Straße Angst hat. Dass sie vielleicht die Straßenseite wechseln, damit sie nicht das Gefühl hat, dass sie (die Männer) hinter ihr herlaufen. Oder wenn sie (die Männer) sowas beobachten, sich nicht wohl oder hilflos fühlen. Oder oder.

Genauso bin ich aber sicher, dass sie, wenn es ihnen gerade nicht gut geht oder wenn es in Strömen regnet, im Zweifel zuerst an sich denken und eben hinnehmen, dass die Frau vielleicht Angst hat.

Dasselbe lässt sich am Beispiel „Die Kollegin verdient weniger Geld“ / „Die Hausarbeit wurde schlechter beurteilt“ etc. durchdeklinieren.

Das ist das von Elise beschriebene Privileg, sich aussuchen zu können, wann man sich betroffen fühlt.

Die Frau nachts auf der Straße hat die Wahl nicht, ob sie jetzt wer blöde anmacht oder nicht, auch wenn sie schlechte Laune hat oder klatschnass ist und es ihr gerade echt nicht in den Kram passt.

Damit sind wir dann bei den Individuen. Natürlich sind wir Individuen und nicht nur Teil einer wie auch immer definierten Gruppe. Nur: selbst wenn ich mich jetzt gerade wenig als Frau, sondern vor allem als Mensch fühle und weiß, dass ich abstrakt denken kann und eine gute räumliche Vorstellung habe, werde ich trotzdem permanent damit konfrontiert, dass ich das als Frau ’natürlich‘ nicht kann. Männer in anderen Fragen auch, aber im Resultat haben diese Zuschreibungen eben vor allem diskriminierende Auswirkungen gegen Frauen.

Wenn wir ‚einfach nur so‘ unter unterschiedlichen Rollenzuschreibungen zu leiden hätten, ohne dass darin eine Hierarchie steckte mit handfesten Auswirkungen, sähen die Statistiken ja doch ganz anders aus. Dann würden vielleicht in unterschiedlichen Jobs Frauen und Männer unterschiedlich viel verdienen, aber nicht insgesamt Frauen so viel weniger.

Das waren jetzt nur die sehr plakativen Beispiele und selbstredend ist alles wesentlich komplexer.

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Von: Internetausdrucker https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1694 Sun, 13 Dec 2009 10:02:48 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1694 @Elise Hendrick
„dann ist er jedenfalls einer, der vor den empirischen Daten die Augen zu macht, was für seine Stellung als verkörperte Geschlechterforschung schon ein bißchen problematisch ist.“

Nein, Herr Meuser macht nicht vor dem empirischen Daten die Augen zu. Die belegen übrigens unumstößlich, dass die meisten Gewaltopfer männlich sind. Gewalt findet vor allem unter Männern statt, ist ein Feld des Wettbewerbes unter Männern.

Das ändert nichts an Gewalttaten, die an Frauen und Kindern verübt werden. Das relativiert auch keinen einzigen Fall. Gewalt ist immer schrecklich, egal, wie häufig sie ist.

„Es mag höchstens so sein, daß diese Untergeordnet-Männlichen sich als Opfer wahrnehmen, aber das ist auch kein Novum. Das nennt man kognitive Dissonanz.“

Nein, das ist nicht kognitive Dissonanz, sondern Ergebnis der modernen Geschlechterforschung. Kognitive Dissonanz ist es meiner Meinung nach, solche Dinge per se bestreiten zu wollen, anstatt sie mal zur Kenntnis zu nehmen.

Es ist eine irrsinnig vereinfachte Gesellschaftstheorie, die annimmt, alle Männer genössen die Privilegien der männlichen Vorherrschaft. Eine solche Theorie ist offenbar am Schreibtisch entstanden und mit der Wirklichkeit nicht in Berührung gekommen. Entscheidend ist aber nicht ein solches grobschlächtiges sozialwissenschaftliches Modell, sondern das reale Leben. Und dort gibt es nicht einfach zwei Gruppen: Männliche Privilegieninhaber und unterdrückte Frauen.

Es gibt in dieser Welt reichlich männliche Opfer. Warum muss man das so hartnäckig verleugnen? Es geht mir hier doch nicht darum, mich einer Opfergruppe zuzuordnen.

Du erhebst ja dann auch noch den Vorwurf, die Täter würden sich hier zu Opfern uminterpretieren. Aber dieser Vorwurf funktioniert doch nur, wenn man in Kollektiven denkt, wenn man die Menschen nicht mehr als Individuen begreift.

Wenn aber der eine oder andere Mann ein Opfer ist, was hat das konkret mit mir zu tun? Rein gar nichts. Wenn die Zahl der Gewalttaten gegen Männer (verübt von Männern) höher ist als die gegen Frauen, bin ich deshalb automatisch ein Opfer? Mitnichten! Ich bin ich. Ich habe mit den allermeisten Männern rein gar nichts gemein.

„Auch der Mörder, um den es hier eigentlich geht, hat sich als Opfer wahrgenommen. Das Schöne an Privilegien ist, daß man sie gar nicht erst wahrnehmen muß.“

Diese Verknüpfung ist schon etwas perfide, mit Verlaub. Der Mörder ist kein Opfer, er ist ein Täter. Meine Argumentation bzw. die von mir zitierte lässt sich nicht einfach gleichsetzen mit dem Täter von Montreal. Für diese Gleichsetzung gibt es in meinen posts auch keine Anhaltspunkte. Bitte lass das.

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Von: Élise Hendrick https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1693 Sun, 13 Dec 2009 07:50:59 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1693 „Wenn ich an Open-Source und Gender-Mainstreaming denke, dann fällt mir auf, daß es ein eklatantes Mißverhältnis zwischen Männern und Frauen in unseren Breiten gibt, aber ohne daß es eine antifeministische oder agressive Haltung bei den betreffenden Männern gäbe.“

Das mag durchaus so erscheinen (und sogar durchaus – auf der Ebene des Bewußten jedenfalls – auch so sein). Oft kommen solche Haltungen erst dann zum Vorschein, wenn das ganze thematisiert wird. So hat es sich z.B. in der Debian-Entwickler-Community unlängst zugetragen, als jemand versuchte, eine Gruppendynamik zur Sprache zu bringen, die zum Ausschluß von Frauen führt. Auf einmal wurden diejenigen, die das thematisieren wollten, mit allen möglichen sexistischen Beschimpfungen beschmissen.

Außerdem ist hierzu anzumerken, daß in dieser Gesellschaft sehr häufig mit einem falschen Sexismusbild gearbeitet wird. Wenn von Sexismus die Rede ist, geht es meist um irgendwelche unverhohlen sexistische Schweinereien und eben um Menschen wie den Täter, um den es in diesem Beitrag geht.

Dabei sind diese Systeme – Sexismus, Rassismus, Klassenherrschaft, u.v.a. – größtenteils latent. Diejenigen, die dadurch privilegiert sind, brauchen sich ihrer Privilegien gar nicht bewußt zu sein, und sind es häufig auch nicht. Was einem selbstverständlich ist, braucht man gar nicht zu merken.

Ein derartiges System stillschweigender Grundannahmen und -übereinkünfte wirkt oberflächlich betrachtet ganz neutral, und wird von den meisten Beteiligten auch so wahrgenommen. Und da zu diesen Systemen gehört, daß die von ihnen Privilegierten auch über die Deutungshoheit verfügen, wird denjenigen, die die Auswirkungen des jeweiligen Systems am besten kennen, selten Gehör oder gar Glaube geschenkt, so daß das Ergebnis der Ausschluß- und Unterdrückungsmechanismen nicht als solches erkannt wird. Vielmehr heißt es dann „Frauen interessieren sich nicht für Schach“, „Arbeiterkinder sind zu blöd fürs Gymnasium“, usw.

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Von: Stefan W. https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1692 Sun, 13 Dec 2009 02:59:04 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1692 Ich verstehe nicht, worüber man wir hier diskutieren könnten.

Gibt es eine Annahme, daß das kein Psycho- oder Soziopath war, sondern soetwas wie ein zugespitzter Normalfall, also ein Produkt der Gesellschaft, welches sich so ähnlich wiederholt abspielen wird, auch hier und in Frankreich vielleicht?

Wenn ich an Open-Source und Gender-Mainstreaming denke, dann fällt mir auf, daß es ein eklatantes Mißverhältnis zwischen Männern und Frauen in unseren Breiten gibt, aber ohne daß es eine antifeministische oder agressive Haltung bei den betreffenden Männern gäbe.

Das könnte ich mir vorstellen zu problematisieren, aber das der Montrealfall viel mit mir zu tun haben könnte sehe ich nicht.

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Von: Élise Hendrick https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1691 Fri, 11 Dec 2009 19:51:00 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1691 Genau das sind diese provozierenden Vereinfachungen. Genau deshalb regt sich hier Kritik am Feminismus. Weil immer allzuschnell der Tätervorwurf kommt.

Das war kein Tätervorwurf, sondern eine Feststellung. Fast jeder Kommentar greift die Leitsätze des Täters auf. Hinzu kommt, daß manche „den Feminismus“ (als gäbe es nur einen!) durch grob entstellte Zitate diffamieren wollen. Das ist natürlich keine Provokation. Provozierend ist es nur, wenn man darauf angesprochen wird. Das verstehe ich.

„Ich hatte eigentlich versucht, bei allemdem sachlich verständlich zu machen, warum das Thema so aufregt.“

Lassen wir mal die angebliche Sachlichkeit außen vor. Glaubst du wirklich, daß Erklärungsbedarf darüber besteht, wieso ein als Kampfansage gegen die Frauenbewegung gestalteter Massaker für Aufregung sorgt?

„Solche Sätze hört man nicht selten, vor allem wenn lange genug in Stammtischnähe sitzt. Aber warum tauchen sie ausgerechnet hier auf, wo es um einen feigen Mörder geht, der seinen Hass auf Feministinnen (aus seiner Sicht jede gebildete Frau) durch einen Amoklauf zum Ausdruck gebracht hat.“

„Aber das setzt voraus, dass diejenigen nicht schon vorher abgeurteilt werden als latente oder gar manifeste Täter oder wenigstens Unterstützer der Männerherrschaft.“

Wieder einmal eine grobe Entstellung. Und ein bißchen Täter-Opfer-Umkehr noch dazu. Schön. Wo hat man die ganzen „Eigentlich hat er nicht Unrecht“-Kommentatoren „abgeurteilt“ worden?

Im Übrigen geht es viel eher darum, daß es Nutznießer des Männerprivilegs sind, die ihre privilegierte Stellung gar nicht erst wahrnehmen (wollen).

„Im übrigen ist die Geschlechterforschung da auch schon erheblich weiter und unterscheidet zwischen hegemonialer Männlichkeit und einer untergeordneten Männlichkeit. Nur die, die sich der hegemonialen Männlichkeit erfreuen, sind auch Teil einer wie auch immer verstandenen Herrschaft von Männern. Die anderen sind eher Demonstrationsobjekte der Herrschaft der ersteren. Folgt man dem Soziologen Michael Meuser, dann wird diese Herrschaft vorrangig an männlichen Opfern vollzogen und weniger an Frauen. Und nein, Meuser gehört nun ganz gewiss nicht zu den Leuten, die vor der Gewalt gegen Frauen die Augen zu machen.“

Wenn dies hier eine zutreffende Wiedergabe ist, dann ist er jedenfalls einer, der vor den empirischen Daten die Augen zu macht, was für seine Stellung als verkörperte Geschlechterforschung schon ein bißchen problematisch ist. Es mag höchstens so sein, daß diese Untergeordnet-Männlichen sich als Opfer wahrnehmen, aber das ist auch kein Novum. Das nennt man kognitive Dissonanz. Auch der Mörder, um den es hier eigentlich geht, hat sich als Opfer wahrgenommen. Das Schöne an Privilegien ist, daß man sie gar nicht erst wahrnehmen muß.

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Von: Internetausdrucker https://annalist.noblogs.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1690 Fri, 11 Dec 2009 11:24:02 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/12/06/heute-vor-20-jahren-wurden-14-technik-studentinnen-in-montr-al-erschossen/#comment-1690 „Lauter Kommentare, die dieses Verbrechen vom Täterhorizont aus betrachten.“

Genau das sind diese provozierenden Vereinfachungen. Genau deshalb regt sich hier Kritik am Feminismus. Weil immer allzuschnell der Tätervorwurf kommt.

Ich hatte eigentlich versucht, bei allemdem sachlich verständlich zu machen, warum das Thema so aufregt.

„Solche Sätze hört man nicht selten, vor allem wenn lange genug in Stammtischnähe sitzt. Aber warum tauchen sie ausgerechnet hier auf, wo es um einen feigen Mörder geht, der seinen Hass auf Feministinnen (aus seiner Sicht jede gebildete Frau) durch einen Amoklauf zum Ausdruck gebracht hat.“

Diese Frage ließe sich sicherlich am besten durch ZUHÖREN beantworten. Frage doch diejenigen, die eben genau in diesem Zusammenhang solches äußern. Aber das setzt voraus, dass diejenigen nicht schon vorher abgeurteilt werden als latente oder gar manifeste Täter oder wenigstens Unterstützer der Männerherrschaft.

Im übrigen ist die Geschlechterforschung da auch schon erheblich weiter und unterscheidet zwischen hegemonialer Männlichkeit und einer untergeordneten Männlichkeit. Nur die, die sich der hegemonialen Männlichkeit erfreuen, sind auch Teil einer wie auch immer verstandenen Herrschaft von Männern. Die anderen sind eher Demonstrationsobjekte der Herrschaft der ersteren. Folgt man dem Soziologen Michael Meuser, dann wird diese Herrschaft vorrangig an männlichen Opfern vollzogen und weniger an Frauen. Und nein, Meuser gehört nun ganz gewiss nicht zu den Leuten, die vor der Gewalt gegen Frauen die Augen zu machen.

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