Kommentare zu: Danah Boyds Rant über FB und die Privatsphäre: „Das Beste für die Privilegierten“ https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/ Innenansichten Wed, 02 Jun 2010 08:16:57 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Von: pit https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2067 Wed, 02 Jun 2010 08:16:57 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2067 tim o’reilly hat interessante fragen gestellt kuerzlich.
http://radar.oreilly.com/…-facebook-privacy.html

seine aussage ist im kern eine frage nach der wertschoepfung in zeiten tiefgreifender technischer veraenderungen. privatsphaere im web ist damit vor allem eine frage nach dem tauschwert. was kriege ich dafuer wenn ich einen bestimmten teil meiner persoenlichen daten preisgebe? was gewinnt die allgemeinheit wenn grenzen der privatheit und des eigentums sich zu gunsten der allgemeinheit veraendern, auch wenn diese allgemeinheit von privaten firmen statt von staatlichen institutionen verwaltet wird?

man darf nicht vergessen, dass sowohl facebook wie auch google
geschaeftsmodelle haben die parasitaer sind, also nach einer art aufmerksamkeits-steuer funktionieren. der grossteil der daten und dienste aber „frei“ zur verfuegung gestellt werden. diese freiheit hat aber einen preis und diesen preis sollte man besser verstehen. denn diese freiheit ist nicht die freiheit des individuums sondern die freiheit der information. die schliessungen von google und facebook in bezug auf internet und kommunikation bergen risiken, denn sie sind vom willen der user abhaengig. dagegen stehen faktoren wie vertrauen und bequemlichkeit, wie z.b. die kontrolle von viren, spam, oder ganz simpel netzwerkeffekte die ohne das medium/dienst nicht genutzt werden koennten. netzwerkeffekte basiert aber auf verallgemeinerung.

was war der preis dafuer seine telefon oder faxnummer im telefonbuch bekannt zu machen? neben der telefonrechnung, die universelle erreichbarkeit.. sollte man von nun an im internet nur noch privatnummern verwenden, die nur freunde kennen? ist das nicht die selbe die alte angst vorm schwarzen mann, kinderporno und hackerangriffe, hinter der letztlich eine klassenlogik steht. in diese richtungen gehen die frueheren analysen der microsoft forscherin danah boyd.

welche art von regressiver middle class ideology, von den sauberen vier waenden, der heilen kleinfamilie, lauert hinter der privacy debattte? was diese firmen vor allem betreiben ist profiling, also marktanalyse. ohne eine grundlegendere kritik des marktes selbst, und seiner mechanismen, das heisst der politischen oekonomie von facebook und google greift die privacy-debatte zu kurz.

die frage ist berechtigt welchen klasseninteressen hier gedient wird, aber auch ob die fixierung auf den individualismus und dem dahinterliegenden idealismus des freien subjekts wirklich auf dem aktuellen politischen stand sind.

die privacy-debatte ohne eine debatte um die frage welches gesellschaftsystem man ueberhaupt will, in welcher ein individuum funktionieren soll, bedeutet zumindest angewandt auf netzpolitik und die kontrolle von firmen wie facebook, mehr als sich an privacy-settings zu entruesten.

es geht hier essentiell um das eigentum an daten. wollen die privacy advokaten letztlich liberale ideologien vom individualismus als hoechstem gut vertreten, so funktioniert das perfekt zusammen mit schufa, bausparvertrag und digtalen kundenkarten, hin zu einem „glaesernen“ markt, in dem die entscheidenden fragen nach einer neudefinition des digitalen eigentums nicht gestellt werden.

es ist also kein wunder dass der „open source guru“ tim o’reilly gewisse skepsis zum ausdruck bringt, auch wenn er sie californisch nicht mal ansatzweise zu ende denkt. die debatte hat also mit copyright zu tun. das ist altes netzwissen. privacy und piracy gehoeren zusammen.

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Von: Randgruppenmitglied https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2066 Mon, 17 May 2010 20:41:49 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2066 Ich sehe das ganz ähnlich wie Alexa. Wir sollten, bevor wir verlangen, Facebook zu regulieren, einen Schritt zurück treten und uns fragen, wen wir da überhaupt schützen wollen.

Facebook et al sind keine notwendigen Kommunikationsmittel, sondern eher so etwas wie ‚Eliten‘, und die kommen immer mit eigenen Regeln daher.

Es steht jedem frei, dort mitzumachen oder es zu lassen, und die Daten, die dort dann öffentlich werden, fallen ja nicht vom Himmel; die muss jeder erstmal eingeben.

Dass das Internet nicht vergisst, ist eine Lehre, durch die die Nutzer durch müssen, und daran werden sie sich früher oder später gewöhnen.

In ein paar Jahren wird man die übertriebene Offenheit dort so selbstverständlich vermeiden wie ungeschützten Sex 🙂

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Von: Antje Schrupp https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2065 Sun, 16 May 2010 21:37:54 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2065 @Alexandra – So habe ich das nicht gemeint. Soweit es persönliche Entscheidungen betrifft, ist niemals etwas alternativlos, da gebe ich dir recht. Aber ich glaube auch nicht, dass die vielen Leute, die Facebook und Co. nutzen, einfach nur hirnlos irgendeinem neoliberalen Zeug hinterher rennen. Ich jedenfalls tue es nicht. Ich sehe darin viele Chancen und habe schon viele sehr gute Erlebnisse damit gehabt. Es bringt Vorteile, und deshalb werden Leute es weiterhin nutzen. Politisches Handeln muss sich immer auf die Welt beziehen, so wie sie ist, und kann nicht einfach sagen: Es wäre besser, wenn das nicht erfunden worden wäre. Was in der Welt ist, ist in der Welt, und wir müssen damit rechnen. Und insofern, ja: Wir müssen das Beste daraus machen. Was das ist, darüber wäre zu streiten. Aber zu sagen, Leute, die meine Einschätzung dazu nicht teilen, haben es einfach nicht richtig kapiert, führt in der Diskussion nicht unbedingt weiter.

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Von: Alexa Kaufhof https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2064 Sun, 16 May 2010 14:16:41 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2064 Die Argumentationsweise von Antje Schrupp ist m. E. typisch. So schreiben Menschen, die aufgehört haben, ihr Leben, ihre Umwelt, die Gesellschaft selbst zu gestalten, die nur noch reagieren auf Entwicklungen, die von anderen als unausweichlich hingestellt werden. Während einige wenige die Welt zu ihrem Vorteil und Profit verändern, glaubt die benachteiligte Masse bereitwillig an die Alternativlosigkeit dieser Veränderungen und versucht, für sich das Beste aus ihnen zu machen. Das ist die Propaganda des Neoliberalismus. Die „Bankenrettung“ – alternativlos. Die Privatisierung öffentlichen Eigentums – alternativlos. Der Afghanistan-Krieg – alternativlos. Und nun ist also der Verlust der Privatsphäre alternativlos, da wir das „Gedankenlesen“ angeblich nicht mehr aus der Welt kriegen, und es soll nur noch darum gehen, eine positive Einstellung zu ihm zu gewinnen, negative Folgen zu „verhindern“ (wie das möglich sein soll, ist mir schleierhaft) und ansonsten die „Vorteile der neuen Möglichkeiten“ zu „genießen“ (wobei mir nicht klar ist, welche das sein könnten).

Was Facebook, Twitter und all die anderen „Dienste“ angeht, deren Nutzung heute angeblich ein Muß ist, so bestünde die Aufgabe darin, die Menschen vor ihrer eigenen Naivität, ihrer Geltungssucht, Unwissenheit und Unreife zu schützen (erst recht, wenn man sich „christlich“ schimpft). Die Zahl der Opfer der herrschenden Ideologie ist auch auf diesem Gebiet unermeßlich. Diese Menschen haben verlernt, die einfachsten Fragen zu stellen, die einem eigentlich der gesunde Menschenverstand diktieren müßte, nämlich: „Brauche ich das?“ „Braucht die Gesellschaft das?“ Wenn es nicht gelingt, die Menschen trotz aller gezielten Verdummungsversuche wieder zum selbständigen Denken anzuregen, ihnen zu vermitteln, daß man nicht allen „Trends“ und Entwicklungen hinterherlaufen muß, daß diese „Trends“ überhaupt nur deshalb welche sind, weil viele sich zum Werkzeug machen lassen, daß man auch „Nein“ sagen kann zu bestimmten „Angeboten“ und daß deren vermeintlichen Vorteilen gewaltige Risiken und Nebenwirkungen gegenüberstehen – dann gute Nacht!

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Von: Till https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2063 Sun, 16 May 2010 10:22:58 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2063 Ich finde beide Texte von danah boyd sehr, sehr gut und genau auf den Punkt treffend. Zeynep Tufekci geht in eine ähnliche Richtung: sie vergleicht Facebook mit einem „company town“.

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Von: Harald Gatermann https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2062 Sun, 16 May 2010 09:44:59 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2062 http://prekaer.info/…r-die-privilegiertenq-.html

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Von: Antje Schrupp https://annalist.noblogs.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2061 Sun, 16 May 2010 09:37:21 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2010/05/16/danah-boyds-rant-ber-facebook-und-die-privatsph-re-das-beste-f-r-die-privilegierten/#comment-2061 Danke, dass du den Artikel hier nochmal vermittelt hast, ich habe gestern schonmal draufgeklickt, aber er war mir dann doch zu lang und zu „rantig“ 🙂

Immer wenn ein Thema zu einem „Glaubenskrieg“ wird, ist das ein Zeichen dafür, dass die Debatte schief läuft. Es werden falsche Dualismen aufgebaut, hinter denen sich beide Seiten jeweils verbarrikadieren, und da tun sie meistens nicht mehr als der Gegenseite Munition liefern.

Auch hier ist das so. Die angeblichen Gegenpositionen sind m.E. keine. Man kann die Vermischung der Identitäten durch Soziale Netzwerke gut finden (wie ich das in meinem Post über das „Ende der Heuchelei“ geschrieben habe – http://antjeschrupp.com/…/das-ende-der-heuchelei) aber trotzdem die Privacy-Politik von Facebook kritisieren. Man kann für Datenschutz sein und trotzdem die Potenziale der neuen Vernetzungmöglichkeiten sehen usw.

Stellen wir uns vor, durch ein Wunder hätten die Menschen plötzlich telepathische Fähigkeiten und könnten die Gedanken der anderen lesen. Die einen würden jetzt nur noch Blei-Helme tragen, um sich abzuschirmen, die anderen schreien: Hurra, endlich kann ich noch mehr Geld an euch verdienen.

Offensichtlich wäre es da keine gute Idee, sich auf eine der beiden Seiten zu schlagen. Sondern man müsste einen dritten Weg finden und mit der neuen Situation positiv umgehen: Wie können wir diese neue Fähigkeit des Gedankenlesens kulturell so integrieren, dass sie keinen Schaden verursacht, wir ihre Vorteile aber trotzdem genießen können?

Und so ist es auch beim Thema Soziale Netzwerke. Es ist kein Entweder-Oder. Sondern etwas Drittes. Es geht darum, Regeln zu erfinden, die verhindern, dass die neuen Möglichkeiten negative Folgen haben. Wir müssen sowohl verhindern, dass Leute zwangsweise Informationen von sich preisgeben müssen, und gleichzeitig Rahmenbedingungen schaffen, die verhindern, dass solche Informationen missbraucht werden (die werden, glaube ich, eher kulturell als rechtlich sein). Also einerseits respektieren, dass Leute ihre Blei-Helme aufsetzen wollen, andererseits aber Bedingungen schaffen, dass alle ihre Helme gefahrlos absetzen können – denn nur so können wir die Vorteile der neuen Möglichkeiten genießen.

Der Gegensatz zwischen Helm-Trägern und Helm-Absetzern ist konstruiert. Wir brauchen nämlich keine Diskussionen darüber, ob Telepathie an sich gut oder schlecht ist (wir werden sie eh nicht mehr los).

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