Kommentare zu: Brauchen wir linke Zeitungen? https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/ Innenansichten Sun, 17 Mar 2013 09:55:59 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Von: Leipziger Linke https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-157844 Sun, 17 Mar 2013 09:55:59 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-157844 Es geht wohl eher um Bündelung der schon vorhandenen Publikationen zu einer einzigen. Und es geht um die entscheidung was ist wichtig und was nicht. Langatmige antideutsch gefärbte Analysen oder kurze knackige Recherchen an der Wirklichkeit? Bedenklich oder ein Hoffnungsschimmer ist auch das hier:

„Es gibt Leute, die nicht wollen, dass wir eigene und unabhängige Ermittlungen zu den NSU-Morden anstellen und damit an die Öffentlichkeit gehen. Es gibt Leute, die wollen, dass sich alle Medien als Pubic Relations-Organe von Staat und Geheimdiensten verhalten. Der Druck auf die freie Meinungsäußerung in diesem Land hat ungeheure Ausmaße erreicht. Diejenigen, die heuchlerisch die früher ehrenvolle Fahne des Antifaschismus entführt haben, wollen selbst eine Meinungsdiktatur mit faschistischen Zügen errichten.

Diesem Druck wird COMPACT nicht nachgeben. Ich gebe Ihnen mein Wort: Unsere Zeitschrift wird sich nicht erpressen und nicht kaufen lassen.“
http://juergenelsaesser.wordpress.com/2013/03/17/130-leute-bei-compact-veranstaltung-zum-nsu-phantom/#more-5346

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Von: Josh@_[°|°]_ https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-157805 Sun, 17 Mar 2013 00:31:56 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-157805 Nix »fehlt« in Sachen »Linke Zeitungen«, so ein Unsinn.

Das iWebz ist voll von »links« und »rechts« Kram, in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Hebräisch und Russisch (die Sprachen, die ich lesen & verstehen kann). Der Journalismus à la E.E. Kisch selbst ist es, an dem es mangelt, an allen Ecken und Enden, hier und anderswo, genau DAS ist das Problem.

Inkompetente Versager, die nach der vollgepamperten Schule mit unterdurchschnittlichem Abi in Sport, Religion und Gemeinschaftskunde »irgendwas« mit Medien machen wollen, die unverdientermaßen irgendwelche »Schreib«-Stipendien erhalten, die zunächst bei Springer, anschließend bei SpOn irgendeinen grenzdebilen Scheiss in die Welt furzen, exakt DIE sind das Problem — gleich nach deren Rezipienten, der »neuen« Mittelschicht.

Mit dem heutigen »Journalismus« verhält es sich exakt so, wie mit den Reisemöglichkeiten breiter Bevölkerungsschichten und mit dem Autoverkehr. Einst angedacht als Erweiterung des eigenen Horizonts/ Erfahrungs-, Erkenntniszunahme/ Toleranzbildung/ persönliche Mobilität/ Kulturbereicherung/ etcpp…

Was heute de facto zu Proleten- und Unterschichtensaufereien auf Malle, Kinderfickereien in Thailand/ Kambodscha/ Vietnam zu je € 199,– und grenzenlosem Staustehen auf Tagesbasis mutiert ist.

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Von: tonne https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-157119 Tue, 12 Mar 2013 01:22:10 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-157119 „Es fehlt derzeit ein Ort im Netz, der die Funktion der Zeitung übernimmt, einen Überblick über Themen, relevante Diskussionen und Entwicklungen zu verschaffen. Gut geschrieben und gut recherchiert, von Leuten, die etwas von ihrem Thema verstehen.“

Wie sollte es *einen* Ort geben? Das Spektrum reicht von indymedia über lmd bis zu fefes blog und zmag. Folgende Rahmenbedingungen gelten mE, zumindest beim Start und für längere Zeit:

1. Zeitmangel (auf beiden Seiten)
2. Geldmangel (auf beiden Seiten)
3. tonnenweise Alternativen

Wenn man nur diese drei zusammennimmt, könnte man egal welches größere Vorhaben gleich lassen. Wie ist es trotzdem zu schaffen?

lmd hat eine loyale community und kooperiert mit etablierten Verlagen. Trotzdem suchen auch die (wie die meisten Medien) nach Wegen, ihre Existenz (im Netz) auf Dauer sicherzustellen. Das ist nirgendwo mehr garantiert.

fefe würde vielen bei „linke Zeitung“ nicht einfallen, die Themenwahl und Unabhängigkeit, die er zeigt, bedeuten aber uU genau das – was ist eigentlich „links“ im Jahr 2013? Zb auch die Umsetzung. Eine Infrastruktur, wie sie minimalistischer kaum sein könnte. Input über community + eigene Recherche. Ausgesprochen antikommerziell eines der größten deutschen Blogs, mit höherer Relevanz als viele professionelle Medien, die vorwiegend Tickermeldungen recyceln.

Eben Moglens Innovation under Austerity enthält einige Hinweise, um mit der widrigen Startsituation umzugehen, die ein Projekt Linke Zeitung hat. Ähnlich wie die open source Software Szene seit Jahrzehnten weltweit kooperiert und wir mittlerweile alle ständig die Ergebnisse dieser Arbeit nutzen, oft ohne es zu wissen, kann vlt der Medienbereich ähnlich organisiert werden, teilweise ist es ja schon so.

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Von: Blogs 02/2013 | https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-155888 Fri, 01 Mar 2013 21:16:07 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-155888 […] Brauchen wir linke Zeitungen? (anna list) […]

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Von: esox https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-154458 Mon, 18 Feb 2013 18:29:39 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-154458 ich brauche definitiv mehrere medien um mich gut zu informieren. sog. linke zeitungen lese ich um ein paar journalisten eine bezahlte arbeit zu finanzieren. ich fuehle mich aber auch nicht schlechter informiert wenn ich doitschlandfunk hoehre. ich muss sowieso filtern egal ob ich ak, vers beaux temps, freitag, vormals bahamas, frueher mal konkret oder le monde diplomatique lese.

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Von: pipifax https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-154411 Mon, 18 Feb 2013 08:14:51 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-154411 @anna

danke für deinen Beitrag dort wie hier. Ich lese diverse linke Zeitungen, vor allem welche mit kleinen und sehr kleinen Auflagen. Sie bieten mir analytische Blickwinkel, die mich bereichern, weil ich selbst auf diese Zusammenhänge und Perspektiven nicht gekommen wäre. Kaum eine auflagenstärkere Zeitung, egal welcher couleur, hat das bisher je geschafft, und wenn, dann eine der Mitte und rechts davon… schon klar, warum: ich wäre aus anderen Gründen nicht drauf gekommen 😉

@Linkshirnextrem

die Wochenzeitung, für die du in deinem ersten Beitrag Werbung machst, halte ich für unverdaulich, denn die Redaktion scheint mir vor allem Männer und Desaster zu lieben. Vor allem anderen. Diese Weltbegehrens-Sicht ist mir zu eng, nicht nur politisch, denn die Folgen davon sind – naja, desaströs eben. Nein danke.

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Von: anne https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-154305 Sun, 17 Feb 2013 11:36:44 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-154305 @nordkiez
Ich wollte damit auch nicht sagen, dass ich richtig finde, nur eine Zeitung zu lesen (wobei das auch eine finanzielle Frage ist), oder dass ich die Erwartung hätte, es könnte eine Zeitung geben, der ich alles glaube.

Der von dir zitierte Satz ist eher so gemeint, dass keine der Zeitungen, die es jetzt gibt, mir den Eindruck vermittelt, ich wäre ausreichend informiert, wenn ich sie gelesen habe. Jetzt könntest du sagen: „Das hast du nie“ und hättest sicherlich recht. Aber zum Beispiel die taz (die ich jetzt auch schon länger nicht mehr regelmäßig lese): Wenn ich die lese, habe ich immer das Gefühl, ich bräuchte noch eine andere Zeitung, damit ich ungefähr weiß, worüber auf der Welt gerade geredet wird. Genauso beim ND. Bei der Frankfurter Rundschau/Berliner Zeitung fehlen mir dafür die sozialen Bewegungen oder auch nur der kritische Blick auf die Verlautbarungen des DGB.

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Von: nordkiez https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-154301 Sun, 17 Feb 2013 11:16:22 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-154301 Interssanter Text dem ich in einem Punkt aber nicht zustimme.
Du schreibst:
„Klug wäre eine Zeitung mit den Kapazitäten, so umfangreich tagesaktuell zu berichten, dass keine zweite Zeitung nebenher nötig wäre.“

Eine einzige Quelle (_eine_ Zeitung) halte ich für eher für „gefährlich“, da das dort geschriebene unter Umständen als einzige Wahrheit gehalten wird. Denn niemand ist wirklich objektiv.

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Von: anne https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-154300 Sun, 17 Feb 2013 11:06:39 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-154300 @lorz
Unterschreibe ich alles (außer vielleicht, dass mir die taz eine Idee zu gut dabei wegkommt, aber auch darüber ließe sich streiten).

Was ich da aufgeschrieben habe, ist ein Wunschtraum, keine Frage. Völlig unrealistisch, das weiß ich auch. Trotzdem kann ja mal eine Idee formuliert werden, um zu verdeutlichen, was fehlt. Ich würde sagen, dass der neue „Der Freitag“ sowas versucht hat und trotz ordentlicher Geldspritze damit auch gescheitert ist. Womit ziemlich klar ist, wie unrealistisch das ist.

Wenn ich anfinge, darüber nachzudenken, wie ich mir das praktisch vorstelle, würde ich wahrscheinlich auch zu einem anderen Ergebnis kommen als zu einem Zentralorgan. Sowieso eben nicht zu einer Zeitung – obwohl ich immer noch gern Zeitung auf Papier lese – und eher zu einem ganz anderen Format, das sicher auch mindestens soviel aggregiert wie selber neu schreibt. Womit wir beim Urheberrecht wären und wieder sehr unrealistisch.

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Von: lorz https://annalist.noblogs.org/post/2013/02/17/brauchen-wir-linke-zeitungen/#comment-154289 Sun, 17 Feb 2013 08:31:41 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3055#comment-154289 „Es fehlt derzeit ein Ort im Netz, der die Funktion der Zeitung übernimmt, einen Überblick über Themen, relevante Diskussionen und Entwicklungen zu verschaffen. Gut geschrieben und gut recherchiert, von Leuten, die etwas von ihrem Thema verstehen.“

So ein Ort müsste von einer professionellen Redaktion betreut werden. Pi mal Daumen bräuchte es für so ein Vorhaben mehrere 10.000 Euro im Monat, sollte der von Leuten gemacht werden, die nicht dem üblichen Zwang zur Selbstausbeutung unterliegen. Die gute Texte von Freien einkaufen, Texte übersetzen lassen und andere Formate ausprobieren können. Die Zeit haben müssen, um neben der Redaktionsarbeit Methoden weiterentwickeln können, um sich mit den Usern austauschen und den vorprogrammierten Streit über politische Positionen konstruktiv austragen zu können.

Doch wer entscheidet, wie diese Redaktion zustande kommt? Wie verhinderst du von Anfang die beliebte Festschreibung zu einer Strömung, siehe z.B. „antideutsche“ Jungle World? Wie wird das ganze nicht zu einem neuen Zentralorgan? Wie balancierst du die Ansprüche zwischen Professionalität und offener Redaktionskultur? Woher soll die Kohle dafür kommen? Parteinahe Stiftungen? Crowdfunding? Paywall? Kannibalisiert sowas nicht die anderen „linken“ Medien?

Ich denke, dass sind einige der Fragen, die eine „Linke“ klären müsste. Problem ist, dass sie ein diffuser Zusmmenhang ist, selbst eine Nische mit ganz vielen Nischen ist.

Als Blaupause könnte die taz dienen, was man auch immer von der taz heute halten mag; sie hat damals eben in der analogen Welt geschafft, so ein Medium zu starten. Da war im Westen/West-Berlin aber auch rein quantitativ eine politische Bewegung, ein politischer Auseinandersetzungswille vorhanden (wie gut oder schlecht auch immer der sich im Nachhinein darstellen mag) – von so einer Basis für so ein Medienunterfangen kann heute keine Rede sein kann. Dazu kommt, dass die Vielfalt an Informationsquellen und Möglichkeiten zur medialen Zerstreung heute so vielfach höher sind als etwa 1978.

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