Kommentare zu: Wer ist Journalistin*? https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/ Innenansichten Mon, 06 Jan 2014 18:18:14 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Von: Von Journalisten und Aktivisten | JO/CA https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-182946 Mon, 06 Jan 2014 18:18:14 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-182946 […] plötzlich zahlreiche Fragen zum Thema Journalismus/Aktivismus auf. Einen Tag später folgte ein zugehöriger Blog-Eintrag. Darin listet die Medien- und Netzaktivistin noch einmal zahlreiche Denkansätze auf und schließt […]

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Von: anne https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-181767 Fri, 03 Jan 2014 14:14:55 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-181767 Als Antwort auf Antje Schrupp.

Genau. Der Presseausweis ist völlig nebensächlich, den hatte ich nur mit reingeschrieben um zu verdeutlichen, wie ungeeignet die geltenden Kriterien sind.

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Von: anne https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-181766 Fri, 03 Jan 2014 14:13:30 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-181766 Als Antwort auf Willi Bischof.

Naja, der 30C3 ist allerdings keine Journalismus-Fachkonferenz, und das angesprochene Publikum war also deutlich breiter – das war sicher auch Glenn Greenwald bewusst. Er hat sich damit bewusst auch zum Aktivisten gemacht, würde ich sagen. Kai Biermann und Patrick Beuth ihrerseits schreiben tatsächlich sehr viel über genau dieses Thema, deswegen finde ich den Vorwurf nicht ganz richtig, dass sie das mehr tun sollten. Allerdings denke ich eben, dass die Aufteilung in Journalist_innen, die sich aktivistisch für Journalist_innen und den Journalismus einsetzen einerseits, und Journalist_innen, die sachlich und wertfrei über dieses Phänoman berichten, niemandem nützt.

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Von: Antje Schrupp https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-181744 Fri, 03 Jan 2014 07:59:46 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-181744 @Gan-Chan – Ja, andererseits reden die Leute mit expliziten Journalist_innen aber auch zurückhaltender, weil sie die Veröffentlichung gleich schon mitdenken.

@Anne – Das stimmt, die Frage nach den schützens- und förderungswürdigen Aspekten des Journalismus müsste dringend mal gestellt werden. Das betrifft ja nicht nur Presseausweis und Zugangsberechtigungen, sondern auch sowas wie die Aufgaben von öffentlich-rechtlichen etc.

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Von: Gan-Chan https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-181583 Thu, 02 Jan 2014 23:40:58 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-181583 Interessante Fragen! Ich hatte auch mal einen Presseausweis, definiere mich aber nicht wirklich als Journalist. Derzeit nehme ich es so wahr, dass die Leute viel gespraechiger sind, wenn ein bekanntes Blatt der Arbeitgeber ist. Ohne diesen scheint man nicht als Journalist wahrgenommen zu werden. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, denn viele Gedanken zur Definition der Journalistin habe ich mir auch noch nicht gemacht.

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Von: anne https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-181317 Thu, 02 Jan 2014 13:09:33 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-181317 Als Antwort auf Antje Schrupp.

Kann ich alles unterschreiben. Vielleicht müsste die Frage doch auch sein, warum nötig ist, Journalismus zu definieren. Wir könnten ihn ja auch abschaffen und stattdessen neu definieren, was schutzwürdig sein sollte. Die Königinnen-Hut-Beschreiber_innen könnten zu „Medien-Produzent_innen“ werden. Die Agenturmeldungs-Umschreiber_innen verdienen auf jeden Fall auch eine eigene Kategorie, würde ich sagen. Und beides gibt es in Blogs ja auch reichlich.

Vielleicht gibt es diese zwei Optionen: Journalismus völlig neu zu definieren oder, ausgehend von der medialen Realität, zu definieren, was eigentlich schützenswerte Medien sind. Das Kriterium etwa für den Presseausweis, dass Journalist_innen von ihren journalistischen Aktivitäten leben müssen, kommt mir antiquiert vor. Relevant hingegen sind Fragestellung und Methoden, behaupte ich. Und die Trennung ist ‚Journalistin‘ und ‚Aktivistin‘ entlang der eigenen Positionierung als ‚wir‘ oder ‚ihr‘ halte ich tatsächlich für Quatsch, wenn sie rein formal ist.

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Von: Willi Bischof https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-181248 Thu, 02 Jan 2014 11:42:55 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-181248 Journalismus ist eine Leidenschaft und eine Kunst. Wider den Widerständen setzt Journalismus sich dafür ein, eine Öffentlichkeit herzustellen. Journalismus ist eine besondere Form des Aktivismus. Journalismus ist eine Ur-Form des Aktivismus. Neben dem Handwerkzeug gehört das brennende Interesse an den Dingen zu dem, was seine Qualität ausmacht.

Kai Biermann und Patrick Beuth definieren nicht den Journalismus und liefern in ihrem Kommentar keine Beispiele, Vorbilder und Kriterien. Warum? Stattdessen sprechen sie ihrem Kollegen die Profession ab. Warum? Sie sprechen nicht alltäglich ihren Kolleg*innen die Profession ab, was sicher notwendig wäre. Sie wählen mit Glenn Greenwald einen Kollegen, der auf einer Fachkonferenz seine Kolleg*innen selbstverständlich mit “wir” anspricht.

Die Leidenschaft, die Kai Biermann und Patrick Beuth zu dieser Vorgehensweise verleitet, erkenne ich. Ich finde aber keinen Grund für diese Leidenschaft. Das ist mir suspekt.

Es ist schon eine Kunst, angesichts der Bedeutung der Themen ihrer Kolleg*innen auf der Fachkonferenz für den Journalismus nicht über den Journalismus in Zeiten der Überwachung und Repression gegen den Journalismus zu schreiben und zu kommentieren, sondern Journalismus in ein platonisches aber inhaltsleeres Phantom zu verwandeln. Journalismus wird hier zur Worthülse.

Ich sehe das Interesse. Ich sehe aber keinen Journalismus. Ich sehe eine mediale Aktion.

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Von: Antje Schrupp https://annalist.noblogs.org/post/2014/01/01/wer-ist-journalistin/#comment-181046 Wed, 01 Jan 2014 21:00:16 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=3418#comment-181046 Die Unterscheidung zwischen Journalismus und Aktivismus ist mehr als dubios, wie ich finde, denn es kann keinen objektiv neutralen Journalismus geben. Journalismus ist immer auch Urteil, das fängt allein schon dort an, wo die Frage nach der Relevanz gestellt ist, also danach, was berichtenswert ist und was nicht. Deshalb ist Journalismus auch kein geschützter Beruf – gerade wegen der Pressefreiheit, die eben bedeutet, dass staatlicherseits nicht festgelegt werden darf, wer als Journalistin gilt und wer nicht.

Ich habe letztlich in einem Post mal vorgeschlagen, den Unterschied dort zu ziehen, dass Journalistinnen ihre Aufgabe darin sehen, bisher nicht verfügbare Informationen zu recherchieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, während nicht-journalistische Aktivistinnen oder Bloggerinnen über das schreiben, was sie ohnehin schon wissen. http://antjeschrupp.com/2013/10/19/brauchen-wir-noch-journalismus/

Nicht jede Aktivistin ist auch Journalistin in diesem Sinn (es gibt ja auch andere Formen des Aktivismus als die mediale Bereitstellung von Informationen), aber jede Journalistin ist in gewisser Weise auch Aktivistin, nämlich immer dann, wenn sie sich für die Themen, über die sie schreibt, wirklich interessiert und sie ihr ein Anliegen sind. Es gibt natürlich auch Journalistinnen, die sich nur dafür interessieren, wie sie Geld verdienen oder in die Wichtig-Wichtig-Medien kommen können und dabei die Frage, welche Informationen für die öffentliche Debatte relevant sein könnten, völlig hinten runterfallen lassen und stattdessen über die Hutfarbe von Königinnen schreiben, weil sich das besser verkauft. Die sind vermutlich weit ab von jedem Verdacht, ihren Journalismus mit Aktivismus zu verwechseln, aber ich finde, da könnte man wirklich fragen, ob das, was sie machen, mit Journalismus noch etwas zu tun hat.

Die Qualitätskriterien, die ansonsten für guten Journalismus herangezogen werden, nämlich die Verifizierung von Informationen, die Ausgewogenheit, das Zuwortkommenlassen der Gegenseite usw. ist meiner Ansicht nach kein Abgrenzungsmerkmal gegen Aktivismus. Als politische Aktivistin sollte ich mir nämlich auch schon Mühe geben, keine falschen Fakten zu verbreiten und sollte – gerade weil mir das Thema am Herzen liegt – mich bemühen, ein qualifiziertes Urteil zu fällen und nicht nur den eigenen Vorurteilen frönen.

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