media – annalist https://annalist.noblogs.org Innenansichten Mon, 22 Jun 2009 22:27:36 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Die Medien, die friedliche Revolution und die Pädophilen https://annalist.noblogs.org/post/2009/06/23/die-medien-die-friedliche-revolution-und-die-p-dophilen/ https://annalist.noblogs.org/post/2009/06/23/die-medien-die-friedliche-revolution-und-die-p-dophilen/#comments Mon, 22 Jun 2009 22:27:36 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/06/23/die-medien-die-friedliche-revolution-und-die-p-dophilen/ Weiterlesen ]]> Über die Berichterstattung über die Proteste im Iran habe ich mich das erste Mal gewundert, als ich in irgendwelchen Fernsehnachrichten (Tagesthemen?) zu Bildern von brennenden Autos (sic) und sich mit Polizisten prügelnden Demonstranten einen Kommentar hörte, der die "friedliche Revolution" pries. Na gut, nicht wirklich gewundert. Aber das Wort "friedlich" war schon ungewöhnlich in dem Kontext.

Dazu gibt es einen Artikel von Jens Scholz "Der Freiheitskämpfer im Ausland ist der Terrorist im Inland", der das vergleicht mit der Berichterstattung über unsere hiesigen AktivistInnen im Netz:

Die Leute, die da gerade für ihr Engagement bejubelt werden weil es für
sie eine völlige Selbstverständlichkeit ist, die Informationsfreiheit
dort zu ermöglichen, wo sie staatlich beschnitten und unterdrückt wird,
die Leute werden hier von unserem Wirtschaftsminister als
Pädokriminelle bezeichnet, das sind "diese…
Internetcommunitybenutzer", das sind diese amokgefährdeten
Killerspieler, das sind diese Schäubleschen "Störer" (deren TOR-Server
Anlass für Hausdurchsuchungen sind) …

Ich breche das Zitat mal an der Stelle ab, wo es gleich um Bombenbauanleitungen geht, das scheint mir denn doch heikel – die BKA-Anmerkung dazu, warum ich das wohl eingebaut hätte, kann ich mir in etwa vorstellen. Immerhin bin ich ja deutsche Netzbewohnerin (und im Vergleich bin ich nicht mal besonders unglücklich darüber, trotz allen Ärgers, den das mit sich bringt).

Die Erklärung, warum das so ist, schön zusammengefasst:

Es geht gar nicht um ein paar DNS-Sperren. Es geht auch nicht um
Kinderpornografie und um angeblich rechtsfreie Räume für ein paar
Musikdownloads oder einen Filmstream, den ich mir im Kino ohnehin nie
angesehen hätte. Es geht um die Angst eines Staates vor
Kontrollverlust.

So sehr unsere Politiker über die Findigkeit und
Kreativität jubeln, mit der im Moment iranischen Menschen geholfen
wird, auf ihre Situation aufmerksam zu machen so sehr werden sie auch
daran erinnert, daß die selbe Transparenz ihnen hier ihr schönes System
aus sorgfältig und teuer aufgebauten Lobbysatelliten (wie z.B. die
Deutsche Kinderhilfe) ans Licht zerrt.

Daß ihnen ihre manipulativen
Umfragen, mit denen Sie Jahrzehnte lang mit ihrem repräsentativen und
unabhängigen Anstrich den Schein erweckten, die Wähler seien mit ihrer
Arbeit einverstanden, nun die Ohren fliegen, weil sie schon am selben
Tag im Netz komplett durchanalysiert und entlarvt werden.

Berlin ist nicht Iran.

Wenn ein Zivilpolizist die Waffe zieht, damit er in Ruhe jemanden festnehmen kann, wenn Clowns und Samba-Band festgenommen werden, weil angekündigt ein eingezäunte Grünfläche betreten werden sollte, dann sind wir in Berlin.

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https://annalist.noblogs.org/post/2009/06/23/die-medien-die-friedliche-revolution-und-die-p-dophilen/feed/ 3
Gefährder – Filmstart nächste Woche https://annalist.noblogs.org/post/2009/03/22/gef-hrder-filmstart-n-chste-woche/ https://annalist.noblogs.org/post/2009/03/22/gef-hrder-filmstart-n-chste-woche/#comments Sun, 22 Mar 2009 13:40:33 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/03/22/gef-hrder-filmstart-n-chste-woche/ Weiterlesen ]]> deutschland 09 PlakatHans Weingartners Kurzfilm "Gefährder" über Andrejs Festnahme und ein paar Hintergründe kommt nächste Woche in die Kinos. Nicht allein, sondern zusammen mit 12 anderen Kurzfilmen im insgesamt 2,5 Stunden langen Film "Deutschand 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation". Das hatte ich vor einem Monat schon beschrieben, als der Film bei der Berlinale Premiere hatte.

Da hatte ich auch schonmal einen Pressespiegel erstellt. Der Kinostart in Berlin ist am Donnerstag in der Kulturbrauerei. Wer wissen will, wann er woanders läuft, bitte hier entlang. Ich fand einige gut, einige interessant, einige schlecht. Der ganze Film ist wirklich sehr lang.

Auf der Website zum Fim gibt’s allerhand Schnickschnack – ein Presseheft, die obligatorischen Facebook-, Myspace– und Youtube-Seiten. Dazu Aufrufe, sich am Kurzfilmwettbewerb zum Thema "Deutschland 09" zu beteiligen und darüber zu bloggen.

Interessant fand ich das Interview mit Hans Weingartner dazu (s.u.), warum er den "Gefährder" gemacht hat (Andrej wird aber mit j, und nicht mit ´ geschrieben..).

Ansonsten bleibt mir nur, darauf hinzuweisen – in Übereinstimmung mit dem Regisseur -, dass es sich um Fiktion
handelt. Insbesondere, was die Rolle der Frau des Boris (=Andrej) im
Film angeht. Viel Spaß, oder vielleicht besser Erkenntnis, beim
Gucken. 

Was war der Auslöser für „Gefährder“?

Hans Weingartner: Zuerst einmal fand ich es gut, dass sich Regisseure – sonst ja eher
Spezies Einzelkämpfer – mal zusammentun und gemeinsam etwas machen –
diese Idee allein hat mich davon überzeugt, bei DEUTSCHLAND 09
mitzumachen. Ich bin dann auf die Geschichte von André Holm gestoßen
und wusste ziemlich schnell, dass ich diese Geschichte machen will,
weil das Thema aktuell ist und sich noch verschlimmert, zum Beispiel
durch das neue BKA-Gesetz.

Wie war es für Sie, seit langem wieder einen Kurzfilm zu drehen?

Es ist gar nicht so leicht, man muß extrem dicht erzählen. Ich kann nur
sehr wenig zeigen von den Charakteren, den Hauptteil muss der Zuschauer
in seiner Fantasie dazu erfinden. Auch beim Drehen steht man ziemlich
unter Druck, weil man weiß, dass jede Szene funktionieren muss, weil
jede Szene im Film landet. Ich arbeite sonst gern mehr mit freier
Improvisation, Versuchen und Experimenten, das war da nicht möglich. Wo
du im Spielfilm 20, 30 Minuten für die Exposition hast, hast du im Kurzfilm höchstens zwei Minuten –
das war eine ganz schöne Herausforderung. Ich habe viel gelernt dabei.

Sie haben für Ihren Film ausführlich
recherchiert, viel gelesen, sich mit André Holm getroffen, mit Experten
der Sicherheitspolitik und Überwachungstechnik. Was waren Ihre
Erkenntnisse?

Die Fakten liegen ja auf dem Tisch, die sind jedem zugänglich. Der Fall
ist genau so passiert. Meine Frage war: Warum haben die das gemacht,
warum haben die den André Holm elf Monate überwacht? Die müssen doch
ziemlich schnell gemerkt haben, dass da nichts dran ist. Dann habe ich
herausgefunden, daß das BKA im Zuge der Überwachung auch 4000 Leute aus
seiner Umgebung erfaßt hat. Dann bin ich auf diese Antiterrordatenbank
gestoßen, die es ja wirklich gibt, und habe daraus die These
entwickelt, dass es gar nicht darum ging, Terroristen zu verfolgen,
sondern darum, die links-politische Szene zu durchleuchten. Es gibt ein
Statement des Sprecher der Generalbundesanwältin, das sich jeder auf
YouTube angucken kann: Auf die Frage, warum im Vorfeld des G8-Gipfels
40 Wohnungen in ganz Deutschland durchsucht wurden und ob es
Anhaltspunkte für die Bildung einer terroristischen Vereinigung gab,
hat er offen gesagt: Nein, wir klopfen da nur auf den Busch und schauen
mal, was sich bewegt… das heisst der Paragraph 129a wird ganz
offiziell als Vorwand benutzt, um Menschen auszuspionieren. Ein klarer
Rechtsmißbrauch. Meiner Ansicht mischt sich der Staat da in Dinge ein,
die ihn verdammt nochmal nichts angehen. Globalisierungsgegner sollten
in einer Demokratie das Recht haben ihre Meinung frei zu äußern und
zwar ohne Angst, dafür drangsaliert zu werden, und Hausdurchsuchungen
und Abhören, das ist eine Drangsalierung, meiner Ansicht nach. Holm war
einer der Vorbereiter der letzten G8 Proteste, es ist also sicher kein
Zufall, daß sie ausgerechnet ihn überwachten, und auch der Zeitpunkt,
eben kurz vor dem Gipfel, war sicher kein Zufall.

Die Antiterrordatenbank faßt Geheimdienstinformationen und
Polizeinformationen zusammen. Das ist verfassungswidrig, denn
Geheimdienste unterliegen fast keiner legislativen Kontrolle und
ermitteln ohne staatsanwaltlichen Auftrag. Im dritten Reich, beim
Reichssicherhautshauptamt, hat man ja gesehen was bei so einer
Vermischung rauskommt, deswegen ist es ja auch laut Grundgesetz
verboten. Kümmert nur keinen. Das Problem, worum es in meinem Film
geht, ist einfach: Wie konnte es passieren, dass jemand wie André Holm
zum Terroristen gestempelt wird. Wer ist Terrorist heutzutage? Zuerst
einer der Bomben schmeisst, dann irgendwann jeder der demonstrieren
geht? Wie schnell verschwimmen da die Begriffe? Man versucht, ein
Umdenken in Richtung Präventivmaßnahmen, Vorbeugehaft herbeizuführen.
Da fordert Schäuble allen Ernstes, sogenannte „Gefährder“ erstmal
einzusperren, damit sie keine Terroranschläge begehen können. Und jeder
denkt dann an irgendwelche Islamisten, die eine Bombe bauen, oh, das
sind Gefährder, ja! Aber dass so jemand wie André Holm, ein harmloser
Unidozent, der politisch aktiv ist, dann plötzlich als „Gefährder“ im
Knast landet, daran denkt keiner.

Glauben Sie daran, dass Filme politisch etwas bewirken können?

Was ich als Filmemacher versuche, ist, der staatlichen Propaganda, die
zum Beispiel Schäuble über die Medien intensiv betreibt, etwas entgegen
zu setzen. Dessen Interviews erscheinen regelmässig in den Leitmedien
und im staatlichen Fernsehen. Die Kritiker und Gegner kommen kaum zu
Wort. Bei diesem Film ging es mir darum, die Fakten zu zeigen und den
Fall möglichst nüchtern und klar zu präsentieren. Und den Rest der
Interpretation des Zuschauers überlassen. Ich denke, ein Film kann
nicht viel bewirken, aber viele Filme schon. Und wir erleben ja in
letzter Zeit, dass Film wieder politischer wird. Irgendwo muss man
anfangen, und das Bewusstsein der Menschen zu ändern, ist ein erster
Schritt – und dass kann Film wirklich leisten, finde ich.

 

(Quelle: http://deutschland09-der-film.de)

 

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https://annalist.noblogs.org/post/2009/03/22/gef-hrder-filmstart-n-chste-woche/feed/ 6
Reaktionen zu „Das Comeback der Überzeugungen – linke Medien in der Krise“ https://annalist.noblogs.org/post/2009/03/01/reaktionen-zu-das-comeback-der-berzeugungen-linke-medien-in-der-krise/ https://annalist.noblogs.org/post/2009/03/01/reaktionen-zu-das-comeback-der-berzeugungen-linke-medien-in-der-krise/#comments Sun, 01 Mar 2009 00:53:17 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/03/01/reaktionen-zu-das-comeback-der-berzeugungen-linke-medien-in-der-krise/ Weiterlesen ]]> Flyer zur Veranstaltung Das Comeback der ÜberzeugungenStefan Tenner hat für das Medienmagazin Recherche von Radio Corax die Veranstaltung

Das Comeback der Überzeugungen
Starker Staat, schwache Banken, politische Presse:
Haben die linken Medien im Krisenjahr 2009 wieder Konjunktur?

aufgenommen. Am Freitag lief in der 69. Ausgabe ein einstündiger Zusammenschnitt:

http://noblogs.org/flash/mp3player/mp3player.swf

Mir kam die dankenswerte Aufgabe zu, in einer Runde mit den vier (Ex-)ChefredakteurInnen von taz, Frankfurter Rundschau, Neues Deutschland und Freitag die Blogs, Nicht-Printmedien, … zu verteten. Vielen Dank nochmal an alle, die auf meine Fragen, was anderen zu dem Thema noch wichtig scheint, reagiert haben!

Berichte von der Veranstaltung:

 

 

Ich gebe zu, dass ich weiterhin mehr Fragen als Antworten zum Thema ‚Linke (Medien) und die Finanzkrise‘ habe, was wohl auch dazu geführt hat, dass meine Beiträge in den eh schon spärlichen Berichten über die Veranstaltung keine wesentlich Rolle gespielt haben. Die Print-VertreterInnen haben sich einerseits der Frage gewidmet "Was ist links – was ist die Aufgabe von linken Zeitungen?" und sind – das liegt in der Natur der Dinge – stark damit beschäftigt, wie sie das ökonomische Überleben retten können. Bzw., warum, wenn die Zeiten schlecht sind und linke Antworten gefragt sein müssten, die Auflagen nicht steigen.

Mich interessiert eher, ob und wie die schlechten Zeiten dazu führen, dass neue Wege gegangen werden, was die Form betrifft. Es gibt einen Beißreflex seitens mancher ‚gelernter JournalistInnen‘ gegenüber denen, die den bewährten Medienbetrieb in Frage stellen. Wenig überraschend, immerhin ist das keine Branche, in der Arbeitsplätze als sicher gelten. 

Trotzdem bin ich der Meinung, dass auch Printmedien durch mehr Interaktivität gewinnen können und auch gar keine Wahl haben, als neue Wege zu gehen. Deswegen sind linke Antworten auf die Finanzkrise weniger in der Analyse der Situation und dem ideologischen An-die-Hand-nehmen zu finden, obwohl das alles sicher seine Berechtigung hat. Interessanter ist, dass eine allgemeine Krise = Orientierungslosigkeit auch eine Chance ist, Neues zu probieren. Schade, dass der Dialog dazu nicht besonders weit gekommen ist. Dass die vier anderen das nicht so wesentlich fanden, ist nicht überraschend. Bei 5 Leuten auf dem Podium und mehreren verhandelten Themen bleibt sowieso nicht viel Zeit zur Diskussion.

Etwas aus der Reihe fiel Philip Grassmann, Chefredakteur des Freitag, der gerade die Verbindung zwischen Web und Print neu probiert. Der hat sehr gekonnt für das neue Projekt geworben. 

Ist mir zugegebenermaßen erstmal von der Idee her auch sehr sympathisch. Die Umsetzung.. naja.. ruckelt noch ziemlich. Der Freitag versucht, mit einer Online-Community mit eigenen Blogs relativ offene Diskussionen zu fördern, deren Ergebnisse dann auch in der Printausgabe landen können. Ich hoffe, dass die ewig krittelnde deutsche Webgemeinde weiter anerkennt, dass da was interessantes Neues gestartet wird, statt sich mit der Suche nach dem Haar in der Suppe aufzuhalten.

Ich habe, nachdem ich mich nach der Veranstaltung länger mit dem Online-Chef des Freitag unterhalten habe, auch ein Freitag-Blog eingerichtet, zum Ausprobieren. An sich brauche ich kein zweites Blog, aber es ist explizit erwünscht, Texte auch einfach ‚rüberzukopieren‘. Das habe ich dann auch gemacht und bin prompt mit einem eher flapsigen Puzzle zur Schülerdatei in der aktuellen Print-Ausgabe gelandet.

Zum Schluss noch die letzte Debatte in der Arena Print vs. Web:

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https://annalist.noblogs.org/post/2009/03/01/reaktionen-zu-das-comeback-der-berzeugungen-linke-medien-in-der-krise/feed/ 3
Die Zeitung in Zeiten der Finanzkrise https://annalist.noblogs.org/post/2009/02/19/die-zeitung-in-zeiten-der-finanzkrise/ https://annalist.noblogs.org/post/2009/02/19/die-zeitung-in-zeiten-der-finanzkrise/#comments Wed, 18 Feb 2009 23:27:55 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/02/19/die-zeitung-in-zeiten-der-finanzkrise/ Weiterlesen ]]> Passend zum Thema der morgigen Veranstaltung "Das
Comeback der Überzeugungen. Starker Staat, schwache Banken, politische
Presse: Haben die linken Medien im Krisenjahr 2009 wieder Konjunktur?
" tobt ein kleiner Sturm durchs Wasserglas. Aufgefallen ist mir das gestern über die unterschiedlichen Titelbilder des aktuellen Time Magazine. Links die amerikanische Ausgabe, rechts der Rest der Welt (Europa, Asien, Pazifik):

time cover  time cover 2

Gibt
es eine besser Methode, um das Verhältnis Medien – Finanzkrise zu
illustrieren? Die Welt hat eine Finanzkrise, die Medien haben eine
Printmedienkrise. Die Medienkrise gibt es sowieso, und durch die
Finanzkrise wird sie erheblich dramatischer. Ob das, um der
Fragestellung der Veranstaltung zu folgen, dazu führt, das linke Medien
Morgenluft wittern und wieder ordentlich kritisch werden: ich bezweifle
das.

Stattdessen
haben wir gerade die Diskussion, wie Print finanziert werden kann.
Anstelle der Diskussion, wie Medien sich der Moderne anpassen sollten.
Aufhänger ist die Titelgeschichte
von Walter Isaacson im Time Magazine, in der er vorschlägt, dass
LeserInnen für Online-Inhalte zahlen sollten so wie auch etwa für
einzelne Musikstücke bezahlt wird, die runtergeladen werden. Das hat
der Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer gestern aufgegriffen und schon
im Titel erklärt, was er davon hält: Warum Paid Content für Zeitungen nicht funktioniert. Bei SPON stand Panik ist kein Geschäftsmodell und interessant fand ich, dass dort dann als nächstes explizit zur Diskussion aufgerufen wurde mit Zeitung als Shareware?

Ich
bin zu dieser Diskussion morgen als ‚Bloggerin‘ eingeladen, was als
Definition ausreichend zu sein scheint (während die versammelten
(ex-)ChefredakteurInnen auch mit Medium vorgestellt werden). Als solche
kann ich mich ja vergleichsweise entspannt zurücklehnen, weil ich eh
kein Geld dafür kriege, was ich hier schreibe und von der aufsteigenden
Panik nur insofern betroffen bin, als ich sehr schade fände, wenn meine
Lieblingszeitungen pleite gingen oder nur noch aus Agenturmeldungen
bestünden.

Will sagen: eigentlich interessiert mich die Debatte,
wie Print finanziert werden kann, nicht so sehr. Viel interessanter
fände ich mehr Diskussion darüber, wie sich etablierte Medien verändern
sollten und könnten, um gegenüber dem Internet konkurrenzfähig zu
bleiben. Meine These wäre, dass Internet auch deswegen attraktiver ist
(und also Print verdrängt), weil es partizipativer ist (sein kann).
Weil der Flaschenhals Chefredaktion einfach wegfällt. Nicht bei
<Printmedium>-Online, aber überall sonst. Das macht es nicht
zwangsläufig besser. Die Herausforderung bleibt, Information so zu
organisieren, das es möglich ist, die Sachen zu finden, die interessant
sind (=die ich interessant finde). Das Heise-Forum etwa wäre ein gutes
Gegenbeispiel: meist gute Artikel, mit einem weitgehen unlesbaren
Forum. Hut ab vor der Leidensfähigkeit der ModeratorInnen.

Es
bewegt sich ja auch laaaaaangsam, erst mit dem Unwort
‚Bürgerjournalismus‘, dann mit den Foren, und tatsächlich interessant
ist das Freitag-Experiment. Wobei mir die Website zu chaotisch und unübersichtlich ist. Aber darüber werden wir ja hoffentlich auch morgen diskutieren.

Zum Schuss noch zwei Leckerli für die Video-Fans unter uns:

Charlie Rose: Future of Newspapers, mit Walter Isaacson (Time), Robert Thomson (Wall Street Journal), Mort Zuckerman (The New York Daily News)

http://video.google.com/googleplayer.swf?docId=-3817658677236015969

(Danke für den Tip – bei Googlevideo auch zum Download)

 

The Daily Show with Jon Stewart, auch mit Walter Isaacson (via)

 

 

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https://annalist.noblogs.org/post/2009/02/19/die-zeitung-in-zeiten-der-finanzkrise/feed/ 4
Was hat die Finanzkrise mit der Blogosphäre zu tun? https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/ https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/#comments Fri, 30 Jan 2009 23:21:56 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/ Weiterlesen ]]> Keyboard Warning: Some experts believe that the use of any keyboard may cause serious injuryIn drei Wochen findet in Berlin eine Veranstaltung der Linken Medienakademie statt: Das Comeback der Überzeugungen. Ich bin eingeladen, mit vier (Ex-)ChefredakteurInnen von Zeitungen über das Verhältnis zwischen linken Medien und der Finanzkrise zu diskutieren. Das erste Mal, dass ich "als Bloggerin" eingeladen werde – nix Andrej Holm, nix militante Gruppe, nix Terrorismus, Bloggen pur. Und vielleicht, dass es hier in der Regel um Politik geht.

(Für alle, die ungern mehr als zwei Absätze lesen: unten kommt noch eine Frage, zu der ich Antworten suche)

Habe ich etwas über das Verhältnis linker Medien zur Finanzkrise zu sagen? Erste Reaktion: nein, habe ich nicht. Ich fühle mich nicht repräsentativ für die Blogosphäre an sich, ich habe überhaupt keine Zeit dazu, mögliche Auswirkungen der Finanzkrise auf Online-Medien zu verfolgen und ob da besonders viel oder anders drüber diskutiert wird, weiß ich auch nicht. 

Andererseits – gerade flatterte mir eine Werbung des Mecklenburgischen Tourismusverbands in die Mailbox, die war wirklich originell:

Schon gewusst? Wer wegen der aktuellen wirtschaftlichen Lage Angst vor dem Jobverlust hat, muss deshalb nicht auf eine langfristige Urlaubsplanung verzichten. Unsere Reiserücktrittsversicherung der Europäischen Reiseversicherungs AG behandelt eine betriebsbedingte Kündigung als einen versicherten Rücktrittsgrund.

Fast unmöglich, nicht über die Finanzkrise zu reden. Next: die aktuelle Headline von Spiegel Online:

Bund feilt an Regeln für Banken- Verstaatlichung

Mal ehrlich: wenn irgendwer noch vor einer Woche im Kontext Banken,
oder auch nur, sagen wir, Automobil-Zuliefererindustrie von
Verstaatlichung gesprochen hätte: sie wäre wahlweise für verrückt oder
aber zur Steinzeitkommunistin erklärt worden.

Und dann sitzt da noch der Chefredakteur des Freitag,
und das ist ja mal ein wirklich spannendes Experiment, wenn es hält,
was es verspricht. Ein Märchen im Aschenputtel-Stil: Von reichem Erben
vor Bankrott gerettet, aufgekauft, Redaktion verdoppelt und soll jetzt
neue Wege gehen auf dem dünnen Seil zwischen Print-Journalismus und user-generated Content (fälschlicherweise zuweilen Bürger-Journalismus genannt). 

Wer schonmal einen Fuss in ein beliebiges Diskussionsforum gesetzt hat, weiss, wie heikel das sein kann. Dazu die hübsche Broken-Windows-Theorie des Spiegelfechters:

Internetforen, Blogs und Kommentarbereiche gehorchen auf gespenstische
Art und Weise der „Broken-Windows-Theorie“. Wo ein Troll ungestraft
sein Häuflein machen darf, wird es kurze Zeit später von Trollen nur so
wimmeln. „Der Freitag“ wird moderieren, will die Moderation aber auf
ein nötiges Minimum beschränken.

Als "Trolle" werden Menschen bezeichnet, die im Netz durch nervigen, oft selbstbezogenen Selbstdarstellungszwang auffallen.

Der Relaunch kommt nächste Woche. Der Spiegelfechter freut sich, F!XMBR fürchtet zu viel liberal im links-liberal, Jakob Augstein (Sohn des Spiegel-Grüners und Märchenprinz) kündigt das ganze so an.

Mir gefällt, dass probiert wird, eine linke Zeitung zu machen, die
sich auf die Offenheit des Netzes einlassen will. Mir gefällt nicht,
dass dazu viel Geld nötig war. Ich hoffe, dass sie den klassisch linken
Reflex überlebt und nicht von einer herumkrittelnden Elchherde zu Tode
getrampelt wird. Was die Inhalte angeht: werden wir sehen.

Zurück zur Veranstaltung: Wer bis hier durchgehalten hat, darf und soll jetzt auch interaktiv werden:

Wenn ich es richtig verstanden habe, bin ich eingeladen, um einen
Kontrast zu den mehr oder minder kommerziellen Printmedien
herzustellen. Als Bloggerin, in der Rolle derer, die vom Schreiben
nicht leben (können/müssen/seltener: wollen), als Vertreterin des
Konzepts, lieber frei von Redaktion oder Verkaufszwang schreiben zu
können, was ich will. (Was ja bei weitem nicht auf alle Blogs zutrifft).

Was, denkt Ihr, sollte aus dieser Perspektive zum Thema Finanzkrise gesagt werden?

Spielt das eine Rolle im Web 2.0? Spielt das eine Rolle für die User
des Web 2.0? Weniger Zeit, weil weniger Geld? Mehr Debatte, weil
weniger Zwang? Weniger Widgets, weil es keinen Spass macht, das
bisschen freie Zeit für die Entwicklung von neuen zu benutzen, weil iReport und einestages schon alles gekauft haben?

Hier nochmal die Ankündigung:

Das Comeback der Überzeugungen
Starker Staat, schwache Banken, politische Presse:
Haben die linken Medien im Krisenjahr 2009 wieder Konjunktur?

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https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/31/was-hat-die-finanzkrise-mit-der-blogosph-re-zu-tun/feed/ 8
Indymedia-Server wegen „Öko-Terrorismus“ beschlagnahmt https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/24/indymedia-server-wegen-ko-terrorismus-beschlagnahmt/ https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/24/indymedia-server-wegen-ko-terrorismus-beschlagnahmt/#comments Sat, 24 Jan 2009 00:03:22 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/24/indymedia-server-wegen-ko-terrorismus-beschlagnahmt/ Weiterlesen ]]> Eco-Terror
Nicht zum ersten Mal wurde gestern in Großbritannien ein Server des Unabhängigen Mediennetzwerks Indymedia beschlagnahmt. Nach einem Bericht von Indymedia UK war der Anlass, dass persönliche Informationen über einen Richter auf der Website standen. Der Richter hatte einen Tag vorher, am 21.1., im sog. SHAC 7-Verfahren 7 AktivistInnen der Kampagne "Stop Huntingdon Animal Cruelty (SHAC)" zu insgesamt 50 Jahren Haft verurteilt. Vorwurf: Verschwörung zur Erpressung von Huntingdon Life Science. Zu einem Bericht auf der Indymedia-Website über den Prozess war in einem Kommentar die Privatadresse des Richters veröffentlicht worden.

Und umgehend durch Indymedia wieder entfernt worden. 

Nach Angaben der britischen Indymedia-AktivistInnen war den Polizisten, die den Server beschlagnahmt haben, bewusst, dass es sich um einen Spiegel- (oder Mirror-)Server handelt, der lediglich Kopien der Originaldaten zur Verfügung stellt. Der Publishing-Server befindet sich in Seattle, USA. Da es mehrere Spiegel-Server gibt, ist durchaus möglich, dass der/die AutorIn des bewussten Kommentars nie Kontakt zu diesem speziellen Spiegel-Server hatte.

Indymedia Logo mit ZielscheibeEbenfalls kann davon ausgegangen werden, dass der Polizei bekannt war, dass Indymedia keine IP-Adressen der NutzerInnen speichert – dies ist öffentlich bekannt. Trotzdem fand die Beschlagnahmung unter dem Vorwand statt, die IP-Adresse der Person feststellen zu wolle, die die Adresse des Richters veröffentlicht hatte. 

Es gab keinen formalen Beschluss zur Beschlagnahmung, lediglich eine mündliche Begründung. Der Colocation-Betreiber UK Grid übergab den Indymedia-Server ohne rechtliche Grundlage. Da auf dem Server auch andere Projekte gehostet wurden (physisch untergebracht waren), sind seit gestern mehrere Projekte offline. Nicht allerdings Indymedia UK, das dank der Spiegel-Server auf andere Rechner ausweichen kann.

Ein weiterer Fall drastischer polizeilicher Reaktionen auf Aktivitäten im Bereich Tierrechts-Aktivismus: bei der Kampagne gegen Huntingdon Life Science geht es um Tierversuche. Das SHAC 7-Verfahren hatte ich in "Terrorist All-Stars" im Dezember auch schon mal erwähnt.

Passend dazu noch ein inzwischen vom Server des Guardian verschwundener Artikel über die bedrohlichen Öko-Terroristen, die 80% der Weltbevölkerung beseitigen wollen:

"Officers are concerned a ‚lone maverick‘ eco-extremist may attempt a terrorist attack aimed at killing large numbers of Britons."

Das kommt mir auch wirklich sehr plausibel vor. Bisher hatte ich den Guardian für eine akzeptable Zeitung gehalten. 

Mehr zum beschlagnahmten Server: 

 

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https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/24/indymedia-server-wegen-ko-terrorismus-beschlagnahmt/feed/ 2
Israelisches TV überträgt Anruf eines Arztes in Gaza, der gerade Kinder verloren hat https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/17/israelisches-tv-bertr-gt-anruf-eines-arztes-in-gaza-der-gerade-kinder-verloren-hat/ https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/17/israelisches-tv-bertr-gt-anruf-eines-arztes-in-gaza-der-gerade-kinder-verloren-hat/#comments Sat, 17 Jan 2009 16:08:45 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2009/01/17/israelisches-tv-bertr-gt-anruf-eines-arztes-in-gaza-der-gerade-kinder-verloren-hat/ Weiterlesen ]]> Über den Gaza-Krieg zu bloggen, ist fast unmöglich: es gibt zuviel dazu zu sagen, als in einen Blog-Artikel passt, der auch gelesen würde.

Manches spricht für sich.

Im israelischen Fernsehsender Channel 10 wurde gestern abend live ein Telefonat mit dem palästinensischen Arzt al-Aisch übertragen, der gerade drei seiner acht Kinder durch einen israelischen Angriff auf sein Haus verloren hat. Eigentlich sollte kurze Zeit später eine Live-Schaltung mit dem Arzt gesendet werden, der regelmäßig per Telefon aus Gaza berichtet hatte.

(Englische Untertitel können über das kleine weiße Dreieck auf roten Hintergrund in der unteren rechten Ecke aktiviert werden)

Die beiden israelischen JournatlistInnen sind sichtlich erschüttert und es wäre interessant zu wissen, wie diese Übertragung in Israel aufgenommen wurde. Und welche Konsequenzen den beiden entstehen.

Abu Al-AishDer Arzt hatte durch den Angriff weitere Verwandte verloren und mehrere seiner Kinder waren (sind) schwer verletzt. Das Haus steht in der Nähe eines Grenzübergang zu Israel. Der israelische Journalist rief in der Sendung dazu auf, dass alle, die dazu die Möglichkeit haben, dazu beitragen sollen, die Grenze zu öffnen, um den Transport der Kinder in ein israelischen Krankenhaus zu ermöglichen. Nach einer dpa-Meldung hat das geklappt. Das war sicherlich eine Ausnahme, die für die meisten anderen Menschen in Gaza nie stattfinden wird. tagesschau.de berichtet über den "schlimmsten Tag des Krieges".

Bei Al Jazeera wird zusätzlich berichtet, was nach der TV-Sendung passierte.

Liebe LeserInnen, bitte denkt erst und kommentiert dann. 

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https://annalist.noblogs.org/post/2009/01/17/israelisches-tv-bertr-gt-anruf-eines-arztes-in-gaza-der-gerade-kinder-verloren-hat/feed/ 1
Aus Radio Multikulti wird Multicult 2.0 https://annalist.noblogs.org/post/2008/12/31/aus-radio-multikulti-wird-multicult-2-0/ Wed, 31 Dec 2008 13:52:49 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2008/12/31/aus-radio-multikulti-wird-multicult-2-0/ Weiterlesen ]]> Heute ist der letzte Tag des Berliner Radios "Multikulti", Teil des öffentlich-rechtlichen Senders rbb, das ‚aus Kostengründen‘ eingestellt wird. Die letzte Sendung gibt es heute von 17-22 Uhr auf 96,3 MHz oder online.

Anzeige letzter Tag Radio Multikulti Berlin

Anzeige heute in der Berliner Zeitung

Radio Multikulti gab es 14 Jahre, ich fand es großartig. Der einzige Sender in Berlin mit guter Musik und Nachrichten, die regelmäßig und selbstverständlich anders waren als der deutsche Mainstream.

Es gehört zu Berlin dazuEinweihung multicult-Sendeschiff, dass die guten Sender, wenn sie überhaupt eine Lizenz ergattert haben, wieder abgeschaltet werden zugunsten des ewig gleichen Dudelfunks mit Gewinnspielchen. Ganz die Metropole.

Aus Radio Multikulti wird das dann ehrenamtlich betriebene Internetradio Multicult 2.0 – ich wünsche den MacherInnen viel Durchhaltevermögen. Auf der Frequenz 96,3 wird ab morgen "Funkhaus Europa" vom WDR senden (taz, netzeitung, ND, Tagesspiegel, Morgenpost).

Der Medienticker des Medienmagazins hat gestern von der Einweihung eines Schiffs als einem von drei zukünftigen Sendestandorten berichtet. Heute abend gibt es eine Einweihungs-Sylvesterparty, in der Galerie Listros in der Kurfürstenstraße 33 in Berlin.

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Pigor und Eichhorn: "Multikulti muss bleiben, sagt die Mutti"

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Gespiegelt https://annalist.noblogs.org/post/2008/03/27/gespiegelt/ https://annalist.noblogs.org/post/2008/03/27/gespiegelt/#comments Thu, 27 Mar 2008 17:40:02 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2008/03/27/gespiegelt/ Weiterlesen ]]> Unsere vier Wochen Urlaub sind noch nicht ganz vorbei, und just jetzt nimmt sich Spiegel Online unserem Erleben der Ueberwachung an. Schoen. Erstaunlich allerdings, dass der werte Autor von "Unterwegs in Digitalien. Selbstüberwachung schützt vor Fremdüberwachung" nicht noetig hatte, einmal nachzufragen, bevor er so schrieb, als ob er sich mit uns unterhalten haette.

Ironie, erzählt sie, verbitte sich am Telefon: "Das verstehen die Ermittler nicht."

Wenn sowas in den Leitmedien steht, gehe ich ja normalerweise davon aus, dass das auf direkte Nachfrage entstanden ist? So schwer sind wir ja gar nicht zu erreichen, und beantworten ja auch fast alle Anfragen. Aber sonst nett.

Naechste Woche sind wir wieder da, dann schreibe ich auch wieder mehr.

PS: Fuer alle Spiegel-LeserInnen, die die Berichte ueber unser Leben mit Ueberwachung suchen: Die meisten davon sind Ende letzten Jahres entstanden, einfach weil da am meisten davon spuerbar war. Das Verfahren laeuft immer noch und unsere Familie wird auch weiter ueberwacht, aber nicht mehr so offensichtlich. Die Geschichte zum ‚Schwarzen Beutel‘ etwa fand schon im August statt.

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https://annalist.noblogs.org/post/2008/03/27/gespiegelt/feed/ 7
Sami Al Hadj https://annalist.noblogs.org/post/2008/01/20/sami-al-hadj/ Sat, 19 Jan 2008 23:21:24 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2008/01/20/sami-al-hadj/ Weiterlesen ]]> Ich habe vor ein paar Tagen etwas über den Al-Dschasira Kameramann Sami Al Hadj geschrieben, der seit fast sechs Jahren in Guantanamo sitzt. Seit dem 7. Januar 2007 ist er im Hungerstreik gegen seine illegale Inhaftierung und wird zwangsernährt.
Er wurde im Dezember 2001 von der pakistanischen Polizei festgenommen, im Januar 2002 an das US-Militär übergeben. Seit Juni 2002 ist er in Guantanamo, ohne Anklage, und wird dort körperlich und psychisch misshandelt. (Amnesty Report, Reporter ohne Grenzen, http://www.prisoner345.net/ Website zur Unterstützung von Sami Al Hadj, seiner Familie und seinen FreundInnen)

Am 11. Januar vor sechs Jahren wurden die ersten Gefangenen nach Guantanamo gebracht. Aus diesem Grund fanden am 11. Januar 2008 – in Deutschland praktisch unbeachtet – weltweit Demonstrationen und Kundgebungen gegen das Gefangenenlager Guantanamo statt (Bilder).

Aufgerufen wurde zu den Aktionen u.a. von Amnesty International (englisch, deutsch) und der American Civil Liberty Union. In Washington beteiligten sich etwa 400 Menschen (82 Festnahmen), außerdem wurde vor den amerikanischen Botschaften in London, Rom, Sydney, Kopenhagen, Athen, Istanbul, Manila, Berlin und vielen anderen Städten demonstriert. (NZZ online "Weltweite Proteste für Schliessung von Guantánamo") Einen Überblick über Aktionen sammelt die Website Witness against Torture.

Der Bericht über die Demonstrationen von Indymedia Washington, DC enthält die Audio-Datei eines Telefon-Interviews mit Sami Al Hadj’s Bruder Asim Al Hadj in Karthum, arabisch mit englischer Übersetzung (9 Min, wav). Er beschreibt, warum Sami Al Hadj für Al Dschasira an der afghanisch-pakistanischen Grenze war, wie er dort festgenommen und unter welchen Bedingungen er festgehalten wurde. Die Aufnahme bricht ab nach Schilderungen grausamer Foltermethoden in der Haft in Kandahar.
Ein weiteres Interview gab es bei Democracy Now! am 15.1. (diverse Videoformate, Transkript)

In den deutschen Medien findet sich fast nichts über die Demos (bizarrerweise ein Kommentar der deutschen Amnesty-Chefin Lochbihler in der Welt und Artikel in HAZ und ND) und gar nichts über Sami Al Hadj, aber der österreichische Standard berichtet über einen offenen Brief "Journalist protestiert gegen Haftbedingungen in Guantanamo", der schon am 27.12. geschrieben, aber erst jetzt von der Zensur freigegeben wurde.



Der Brief:

It is with great pleasure that I pass on my warmest greetings and gratitude for all your efforts in regards to the case of the prisoners in Guantánamo Bay. Also I would like to pass on our wishes for the New Year and asking God to make it a successful and prosperous one.

As for our news, we remain here for more than six years, and we still seek to proclaim truth, freedom and world peace.

All of this takes place in a world which knows what is happening but remains silent and does little more than watch this sorry theatre.

By now, surely everyone knows that truth. The US was the country that prided itself by bringing peace; now, sadly, instead it rains down violence and discord. Guantánamo is the most obvious example of this.

We prisoners entered Guantánamo alive, many have left it alive, and some of us remain in it, seemingly alive ourselves. However, those who remain die every second of every day that we are here. Each of us suffers new physical pain, and our injured hearts suffer from a psychological pain that can not be described.

All of this happens and the world remains silent. And, as it has been written, it is true of us:

I am alive and will listen if you call
But there will soon be no life for us who you call;
And if you blew at the embers now they would light up
But wait and you will find that you blow into ashes
   
    Sami al-Haj

(Andy Worthington in Counterpunch, "The Account of Sami al-Haj", 18.1.08)

Am 15. Februar wird Sami Al-Hadj 39 Jahre alt werden. Er ist seit sechs Jahren in Guantanamo. Sein Sohn ist sieben Jahre alt.

FR-Interview mit Sami Al Hadj’s Anwalt "Es ist ein ständiger Kampf".
http://www.tearitdown.org/ Die Amnesty-Petition zur Schließung von Guantanamo

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