Werbung – annalist https://annalist.noblogs.org Innenansichten Wed, 19 Jan 2011 17:16:38 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Die Häuser denen, die drin wohnen https://annalist.noblogs.org/post/2011/01/19/die-hauser-denen-die-drin-wohnen/ https://annalist.noblogs.org/post/2011/01/19/die-hauser-denen-die-drin-wohnen/#comments Wed, 19 Jan 2011 17:06:11 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=1360 Weiterlesen ]]> Cover der DVD "Herzlichen Glückwunsch - die Mainzer wird geräumt"Ich habe endlich den im November erschienenen Film zum 20. Jahrestag der Räumung der Mainzer Straße gesehen: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag – die Mainzer wird geräumt“.

Das Thema liegt in der Luft. Die auch vor 21 Jahren besetzte Liebigstr. 14, ebenfalls Berlin-Friedrichshain, wird am 2. Februar geräumt, wenn es nach dem Willen des Innensenators geht – früher wurden Räumungen schonmal abgeblasen, wenn der Senator fand, das eine Räumung den Frieden in der Stadt unnötig gefährde. (Putzig sind übrigens dann widerspruchslos nebeneinander stehende Tagesspiegel-Überschriften wie Friedrichshain: Militante Linke bedrohen grünen Bürgermeister vs: Bevorstehende Räumung: Liebigstraße: Ruhe macht Polizei misstrauisch)

In Mitte fand letzten Freitag ein Erzählcafé samt Ausstellung zu den besetzten Häusern in Ostberlin 90/91 statt, bei dem viele Erinnerungen hochkamen. Gibt es die Ausstellung eigentlich noch weiter zu sehen? Wo?

Zurück zum Film: die DVD kann im gut sortierten Buchhandel erworben werden, für knapp 12 Euro, und das lohnt sich für alle, die sich für Bewegungsgeschichte interessieren. Es erzählen Protagonisten von damals, und einigen ist anzumerken, wie die Erinnerungen wieder hochkommen. Schön, dass Katrin Rothe den Film gemacht hat, eigentlich bräuchten wir noch viel mehr solche Dokumentationen aus dieser ziemlich einzigartigen Zeit. Halb Friedrichshain stand leer, der Ostberliner Magistrat war nicht mehr zuständig und sowieso mit anderen Problemen beschäftigt, und die Westberliner Polizei durfte noch nicht in den Osten. Dann kam der kurze Sommer der Anarchie, mit über 100 besetzten Häusern. Dann kam die Übernahme Vereinigung, dann die Räumung der Mainzer Strasse. Und dann kehrte wieder Ordnung ein.

Die 40 Minuten sind viel zu kurz, aber vielleicht für einen Eindruck gerade richtig. Schade, dass von den BesetzerInnen nur Männer zu Wort kommen; aber die vier zeichnen schon ein Bild, dass die Unterschiedlichkeit der damals Beteiligten gut wiedergibt. Mir fehlt ein Satz dazu, dass nicht nur die Polizei viele Steine abgekriegt hat, sondern dass nach der Räumung viele von denen, die in der Mainzer Straße geblieben sind, krankenhausreif geprügelt wurden, erklärtermaßen als Rache für die drei Tage, die es dauerte, bis geräumt werden konnte. Nur Bärbel Bohley sagt dazu, was wir alle damals dachten: es war pures Glück, dass niemand gestorben ist.

Das Interview mit ihr, kurz vor ihrem Tod im Sommer 2010, ist zusätzlich in ganzer Länge auf der DVD. Sie sagt eine ganze Menge kluge Dinge, die ich ihr nicht zugetraut hätte – wieder ein Vorurteil auf den Kopf gestellt.

Außerdem gibt es den fiktiven Hausbesetzer-Film „Die Ex bin ich“:

Es wird eine Geschichte nacherzählt, die sich so oder so ähnlich damals abgespielt haben soll – das ist aber auch gar nicht so wichtig. Das Beste am Film ist die Ausstattung. Ich hatte das Gefühl, dass mir plötzlich der Geruch der Häuser wieder in die Nase steigt. Der Fussbodenbelag, die Putzmittel, der Wein, die Kohleöfen..

Danke an Katrin Rothe. Kauft Euch die DVD (aber nicht bei Amazon!)

Ausschnitte einer Podiumsdiskussion zum Film „Die EX bin ich“ im Prater.

http://www.youtube.com/watch?v=q1UkKGOXHz0

Beteiligt: Ralf Hirsch, damals persönlicher Referent von Walter Momper, Oberbürgermeister von Berlin, später Beauftragter für ’schwierige Häuser des Senats; Dorothee Dubrau, damals Baustadträtin in Mitte, Andrej Holm und Urs (?), die bis heute in der Kule (Auguststrasse) wohnt.

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Geert Lovink & Pit Schultz: Jugendjahre der Netzkritik https://annalist.noblogs.org/post/2010/12/11/geert-lovink-pit-schultz-jugendjahre-der-netzkritik/ https://annalist.noblogs.org/post/2010/12/11/geert-lovink-pit-schultz-jugendjahre-der-netzkritik/#comments Sat, 11 Dec 2010 11:01:41 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=1242 Weiterlesen ]]> Die deutsche Blogosphäre vermittelt gelegentlich den Eindruck, sie habe das Netz erfunden und sei überhaupt das Zentrum der Welt. Wer sich eines besseren belehren lassen möchte und die Theorie nicht scheut, kann jetzt bei Geert Lovink und Pit Schultz nachlesen, was vorher war.

Das Institute of Network Cultures hat in der Reine „Theory on Demand“ das Print-on-Demand-Heft „Jugendjahre der Netzkritik. Essays zu Web 1.0 (1995 – 1997)“ (pdf) herausgebracht.

Ein klein bisschen aufwendiger hätte es sein dürfen – ein klickbares Inhaltsverzeichnis würde das lesen online z.B. echt bequemer gestalten -, aber wir wollen ja nicht pingelig sein. Dass es eher um Grundsätzliches als um Oberflächlichkeiten geht, kennzeichnet diesen Flügel der Netz-BewohnerInnen deutlich.

Der letzte Text im Band, geschrieben 2009, nähert sich der Gegenwart und beschreibt die Aufgaben für kritische Geister:

Die Demokratisierung des Netzes hat ihr Ende erreicht, und ohne eine Klassenanalyse ist sie nicht mehr zu verstehen. Die Positionierung der verschiedenen Plattformen der sozialen Netzwerke gegeneinander (Facebook vs. MySpace) geht über eine Zielgruppenanalyse hinaus.

Ethnische Minderheiten, Klassenunterschiede und Einkommensunterschiede führen zu einer neuen Stratifzierung des Masseninternets. Der Wiki-Kritiker Jaron Lanier spricht von „Digitalem Maoismus“, wenn er sich voller Abscheu vom Produktionseifer der Amateure abwendet. Der gebürtige Franzose und leidliche Komponist und Erfinder des Datenhelms übersieht dabei, dass Wikipedia mehr mit klassischer Aufklärung französischer Prägung (Diderot und d’Alembert) zu tun hat, also einem bürgerlichen Projekt, das sich gegen den Klerus und den König richtete, als mit der blutigen Kulturrevolution Mao Tse Tungs in China.

Die Unfähigkeit der Kreise der Digerati, mit dem digitalen Jihad umzugehen, dem Trash der Unterklasse, dem Rechtspopulismus, dem derben und anarchischen Humor, ist offensichtlich. Wie soll man auf die lustigen Hasskampagnen von Shocklogs wie Geen Stijl, das zynische Spektakel von Big Brothers knallharter Variante Golden Cage reagieren? Die Antwort bleibt aus. Noch ist der Weltbürgerkrieg der Kulturen im Netz nicht ausgebrochen. Es herrscht ein schwelender Rassismus und Extremismus, Polizei, die sich in Flamewars einmischt. Datingsites, Glücksspiele, Parties, Pornos, Sekten und Kleinradikalismen aller Art formen eine Zone der working class esthetics. Die Entwertung der Cyberwerte findet nicht nur über verbotene Onlinespiele, sondern auch über Online-Examen für Einwanderer statt. (2009)

Der Klappentext:

Dieses PDF / Print-on-Demand-Heft bringt eine Auswahl der Texte zusammen, in denen  die Medientheoretiker und nettime-Gründer Pit Schultz und Geert Lovink zwischen 1995 und 1997 gemeinsam die Grundzüge des Konzepts der Netzkritik formulierten. Damals auf deutsch in verstreuten Publikationen erschienen und zwischenzeitlich weitgehend in Vergessenheit geraten, werden sie nun erstmals gesammelt veröffentlicht. Sie eröffnen einen Blick auf die frühe Phase der Entwicklung des Internets und die beginnende kritische Debatte, die durch eine besondere Diskussions- und Spekulationsfreude geprägt war. Das Internet stellte noch keine allgegenwärtige Realität dar, aber sein zukünftiges Potential war schon absehbar. Im Zentrum dieser Texte steht die Kritik der damaligen Cyberutopien, die die Grundlage für die spätere Dotcom-Manie schafften. Weitere Schwerpunkte sind die Kunstpraxis (net.art), die Deutsche Medientheorie und Gegenöffentlichkeit (taktischen Medien).

Der niederländisch-australische Netzkritiker Geert Lovink ist Autor von Dark Fiber und Zero Comments (beide auf Deutsch erschienen). Seit 2004 leitet er das Institut für Netzkultur an der Hochschule Amsterdam (HvA), ist Associate Professor Mediastudies an der Universität Amsterdam (UvA) und Professor an der European Graduate School.

Pit Schultz ist Autor, Künstler, Programmierer und Radiomacher und lebt in Berlin. Er ist Mitinitiator, Organisator und Mitglied von vielen Projekten wie Botschaft e.V., nettime, Bootlab, backyardradio, Reboot FM und Herbstradio.

Der Weg zum gedruckten Exemplar führt über diesen Link http://networkcultures.org/wpmu/theoryondemand/

Was ich ehrlich gestanden nicht verstehe, ist die Lizenz. Ist das nicht widersprüchlich?

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No article in this book may be reproduced in any form by any electronic or mechanical means without permission in writing from the author.

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