Andrej Holm – annalist https://annalist.noblogs.org Innenansichten Sat, 31 Aug 2013 23:10:41 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 140 Sekunden / Elektrischer Reporter https://annalist.noblogs.org/post/2011/10/20/140-sekunden-elektrischer-reporter/ Thu, 20 Oct 2011 21:04:00 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=2067 Weiterlesen ]]> Zu diesem Tweet gab es im „Elektrischen Reporter“ gestern 140 Sekunden:

Es ist unmöglich, ein kompliziertes Strafverfahren in 140 Sekunden darzustellen. Zwangsläufig fehlt also viel. Und ich bin echt beeindruckt vom Team der 140 Sekunden, die das aus einem mehrstündigen Gespräch destilliert haben.

 

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A propos Sicherheit https://annalist.noblogs.org/post/2010/11/02/a-propos-sicherheit/ https://annalist.noblogs.org/post/2010/11/02/a-propos-sicherheit/#comments Tue, 02 Nov 2010 22:54:58 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=1104 Weiterlesen ]]> Flugsicherheit ist wieder in aller Munde. Passend erzählte mir heute Andrejs Anwältin eine Geschichte, die untergegangen war:

Als Andrej festgenommen worden war, wurde er zuerst ins Berliner LKA am Tempelhofer Damm gebracht und dann mit dem vielzitierten Hubschrauber zum Bundesgerichtshof geflogen, wo der Haftbefehl beantragt und dann auch beschlossen wurde. Christina (Clemm), die Anwältin, flog im Flugzeug hinterher, um dabei zu sein.

Vorher sagte sie mir, ich sollte ein paar Sachen für Andrej zusammenpacken. Ich kann mich an die Details nicht erinnern, aber gut an das Gefühl dabei. Sehr surreal. Was packt man jemandem für den Knast ein? Gibt es da Zahnpasta? Machen Sportsachen Sinn? Bücher? Wieviele? Für wie lange?

Falls Ihr je in die Situation kommt: Papier und Stifte sind wichtig. Briefmarken.

Ich weiß auch nicht mehr, was ich eingepackt habe, außer das eine Dose mit einem Stück Kuchen vom Kindergeburtstag am Tag vorher dabei war.

Christina nahm den kleinen Rucksack mit, hatte kein Gepäck, weil sie in Karlsruhe ja nicht bleiben wollte und reichte am Flughafen alles, was sie dabei hatte, als Handgepäck ein. Auch sie war mit anderen Sachen als Reiseorganisation beschäftigt. Die Fassungslosigkeit beim Check-In war entsprechend. Duschgel, Zahnpasta, eine Flasche Wasser.. wie gesagt, ich weiß nicht, was noch, aber es waren mehr als 100 ml Flüssigkeit.

Da standen sie sich gegenüber, Flugzeug kurz vor Take-Off, der Bundesgerichtshof wartet nicht.

Die Security-Frau: „…?“.
Christina, überrascht: „Oh – aber es ist ja auch gar nicht mein Gepäck! Das habe ich von jemand anderem bekommen!“
Security-Frau:“?!?!???“

Sie ließ sie durch. Mit dem gesamten Terroristengepäck. Glücklicherweise ist nichts explodiert.

Dass er das dann alles auch mit in den Knast nehmen durfte, wo ordentliche Terroristen selbst neugekaufte Bücher nur eingeschweißt und direkt von ausgesuchten Buchhandlungen erhalten dürfen, hat später Christina ziemlich fassungslos gemacht. Auch den selbstgebackenen Kuchen.

Der Jemen hat übrigens bereits am Samstag bekannt gegeben, dass keine UPS-Frachtfugzeuge den Jemen am Tag des ‚Bombenfundes‘ verlassen haben und es sowieso gar keine solchen Direktflüge in die USA oder nach Großbritannien gibt.

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„Sicherheit oder Freiheit“ Samstag morgen im SWR https://annalist.noblogs.org/post/2010/10/21/sicherheit-oder-freiheit-samstag-morgen-im-swr/ https://annalist.noblogs.org/post/2010/10/21/sicherheit-oder-freiheit-samstag-morgen-im-swr/#comments Thu, 21 Oct 2010 00:27:33 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=1060 Weiterlesen ]]> diverse Kameras (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)Frühaufsteher_innen haben am Samstag die seltene Gelegenheit, Andrej Holm, Otto Depenheuer, Constanze Kurz, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Wolfgang Nešković, Hans-Ludwig Zachert und mich in einem Film zu erleben. (Alle anderen könnten ihre Aufnahmegerätschaften programmieren.) Ich finde ihn sehenswert, und das nicht, weil wir auch darin vorkommen.

Update: Bei Planet Schule gibt es den Film bereits jetzt online, leider nicht zum Einbinden. (Danke SKUDIJ!)

Das SWR-Schulfernsehen strahlt um 7:15 nochmal „Sicherheit oder Freiheit„, Teil der Reihe „Quo vadis BRD?“, aus:

Biometrische Ausweise, Datenvorratssammlung, Rasterfahndung, neue Überwachungsmethoden: Dies sind nur einige der staatlichen Maßnahmen, die den Bürger in Deutschland vor Gewalt oder Terrorismus schützen sollen. Aber greift der Staat damit nicht zu sehr in die Freiheitsrechte der Bürger, wie sie im Grundgesetz niedergelegt sind, ein? Am Beispiel des Berliner Soziologen Andrej Holm, der seit 2007 fälschlicherweise in die Mühlen massiver Ermittlungsmethoden gerät, wird die Frage erörtert, ob der Staat oder die Bürgerrechte vorrangig zu schützen sind. Zu Wort kommen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der ehemalige Chef des Bundeskriminalamtes Hans-Ludwig Zachert, der Kölner Rechtsprofessor Otto Depenheuer und der Ex-Bundesrichter und Parlamentarier Wolfgang Neskovic.

Schulfernsehen ist eine feine Sache (dass es das noch gibt..), inhaltlich wie auch was die Rahmenbedingungen angeht. Es gibt zusätzliches Material zum Film online, außerdem werden manche Filme nach der Ausstrahlung online gestellt (ob das bei diesem so sein wird, weiß ich nicht). Noch schöner wäre natürlich, wenn der Film dauerhaft zur Verfügung stünde.

(Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Gedreht wurde „Sicherheit oder Freiheit“ von Mario Damolin, der im Frühjahr als der FAZ-Reporter bekannter wurde, der von der israelischen Armee auf einem der Schiffe festgenommen wurde, die mit Hilfsgütern nach Gaza unterwegs waren.

http://www.planet-schule.de/wissenspool/quo-vadis-brd/inhalt/sendung-sicherheit-oder-freiheit/hintergrund-die-protagonisten.html?image=fileadmin/dam_media/swr/quo_vadis_brd/img/qv04_constanze_kurz.jpg#kap7
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https://annalist.noblogs.org/post/2010/10/21/sicherheit-oder-freiheit-samstag-morgen-im-swr/feed/ 2
Online Talk bei DRadio Wissen https://annalist.noblogs.org/post/2010/09/12/online-talk-bei-dradio-wissen/ https://annalist.noblogs.org/post/2010/09/12/online-talk-bei-dradio-wissen/#comments Sat, 11 Sep 2010 22:18:10 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=832 Weiterlesen ]]> Zwei Stunden vor der Berliner „Freiheit statt Angst“-Demo saß ich im Berliner Studio von DRadio Wissen im Online Talk zum Thema Terrorismus. Innenansichten einer Ermittlung. Es ging um das Verfahren gegen Andrej, um Terrorismus, um Blogs, die ich gern lese, Facebook und Privatsphäre, Bloggerinnen und Relevanz in der Blogosphäre und nicht zuletzt Freiheit statt Angst.

Hier zum Nachhören:

Und auch zum Download von dradio.de:
http://ondemand-mp3.dradio.de (25mb)

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Telefonterror https://annalist.noblogs.org/post/2007/10/05/telefonterror/ Fri, 05 Oct 2007 09:43:13 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2007/10/05/telefonterror/ Weiterlesen ]]> Und wieder. Ich rufe Andrejs Handy an und werde aufgefordert, meine eigene Mailbox-PIN einzugeben. Ich versuche es mit dem Festnetztelefon nochmal und höre meine eigene Ansage.

Dann ruft mich jemand anders auf dem Handy an, es klingelt zweimal.. und stürzt ab.

Ich schicke Andrej eine SMS in der Erwartung, dass die dann auch bei mir landet, aber die kommt nicht wieder.

Ich mache eine ersten Versuch, das zu bloggen, und der Rechner stürzt ab. Bei einem neuen Rechner mit neuem Kubuntu, auf dem nur Mail-Client, Browser, Pidgin und ein Open-Office-Dokument laufen, auch nicht unbedingt erwartungsgemäß – auch das kommt in den letzten Tagen zunehmend vor. Zunächst habe ich das für reguläres Schwächeln gehalten, wenn zuviel gleichzeitig läuft und verdächtigte Amarok. Ob mein Computer ein Morgenmuffel ist?  Es gibt sicher für alles eine ganz rationale Erklärung.

Genau wie für den Brief, der neulich bei Andrejs Eltern ankam, von einer Bekannten, handschriftliche Adresse, korrekter Absender, offensichtlich privat. Als er ankam, fand sich links unten neben der Adresse ein Stempelaufdruck: ‚Irrläufer! Poststelle der Berliner Senatskanzlei‘.

Absicht oder Versehen? Auf jeden Fall ziemlich unsouverän.


Und warum das alles? Siehe  http://einstellung.so36.net/de/hg/konstrukt

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Der schwarze Beutel https://annalist.noblogs.org/post/2007/10/03/der-schwarze-beutel/ https://annalist.noblogs.org/post/2007/10/03/der-schwarze-beutel/#comments Wed, 03 Oct 2007 14:43:46 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2007/10/03/der-schwarze-beutel/ Weiterlesen ]]> Der schwarze Beutel ist inzwischen ziemlich bekannt geworden, aber weil er so schön zum vorigen Thema, der Telefonüberwachung, passt, wollte ich ihn nochmal erwähnen. Wenn er nicht für uns persönlich so widerliche Nebenwirkungen gehabt hätte, hätte ich ihn auch fast liebgewonnen, immerhin hat er für viel Unterhaltung gesorgt.

Andrej wurde am 22. August entlassen, was missverständlich ist, weil er formal ‚von der Haft verschont‘ wurde, der Haftbefehl also fortbesteht. Dafür haben wir ziemlich teuer bezahlt, was in sich sehr aufregend war, weil wir viel Bargeld 1. haben, 2. ausgezahlt bekommen und 3. zum Gericht bringen mussten. Das Geld musste zur Gerichtskasse in Berlin-Moabit – ein altehrwürdiger Gerichtsbau, den die meisten wahrscheinlich in diversen Krimis schon mal gesehen haben. Über Berlin stand ein heftiges Gewitter, konkret genau über Moabit, es donnerte krachend, blitzte, ein Platzregen ging nieder und ich stand im Eingang des Gerichtsgebäudes und wartete auf das Geld. Der Fahrer kannte den Weg nicht genau, Handys waren nicht zu gebrauchen des Gewitters wegen und 15 Minuten vor Schluss war das Geld da. Ich habe mich noch nie so sehr so gefühlt, als sei ich versehentlich in einem Film gelandet.

Zwei Stunden später stand Andrej beladen mit Taschen und Tüten und zwei Aktenordnern vor dem Besuchereingang des Knasts. Seine Eltern waren auch da. Als die Wiedersehensfreude etwas abgeflaut war und wir uns auf den Weg machen wollten, zog seine Mutter einen kleinen schwarzen Beutel (!) aus der Tasche, den sie Andrej gab, damt der die beiden Ordner – Ermittlungsakten, die ihm endlich ausgehändigt worden waren, damit er sich auf den für zwei Tage später terminierten Haftprüfungstermin vorbereiten konnte – besser transportieren konnte. Nette Anekdote am Rande: nachdem die Formalien zu Entlassung auf Kaution erledigt waren und Andrej aufgefordert wurde, seine Sachen zu packen, wurde er entgegen unserer Erwartung vom Knast-Personal ziemlich zur Eile angetrieben. Das überraschte auch ihn, bis ihm jemand erzählte, dass im Knast um 14 Uhr Schichtwechsel ist und alle denselben Ausgang benutzen. Alle gingen davon aus, dass ein großer Rummel samt Fernsehkameras aus ihn warten würde, und sie wollten ja partout nicht gefilmt werden… (ist das auch konspirativ?).

Wir gingen gemeinsam samt schwarzem Beutel zur Anwältin, dann etwas essen und schließlich nach Hause. Am nächsten Tag fand ein an sich sehr banales Telefonat zwischen Andrej und seiner Mutter statt, in dem beide verabredeten, dass seine Eltern am folgenden Sonntag zum Kaffee kommen wollten, um den Nachmittag mit EnkelInnen und Großeltern zu verbringen. Dann fiel der historische Satz. Andrejs Mutter, im Überwacht-werden noch ungeübt, sagte: „Und dann würde ich auch gern mal über den Inhalt des schwarzen Beutels sprechen.“ Also darüber, was Andrej bis dahin über die Ermittlungsakten wusste. Das Resultat: am Sonntag nachmittag klingelt es an der Tür, das BKA steht davor und will „Beweismaterial sicherstellen“: den schwarzen Beutel.

Auch diesmal war nicht möglich, noch fünf Minuten die Luft anzuhalten, bis etwa unsere beiden Kinder aus der Wohnung gebracht sind, es war alles wieder wahnsinnig dringend. Gut, wenn man davon ausgeht, dass die Eltern KomplizInnen sind, die hochbrisantes Beweismaterial bei sich horten und nichts Besseres zu tun haben, als das am Telefon zu verbreiten und dann mit ihn die Wohnung von Terroristen zu schleppen, dann ist es natürlich sehr dringend, dem endlich habhaft zu werden. Insbesondere, wenn die BeamtInnen, die aufgrund des historischen Telefonats auch die Eltern komplett observieren, nicht geregelt kriegen, zwei ältere Herrschaften wie angewiesen vor Betreten unserer Wohnung zu stoppen und zu durchsuchen. Da sie nach dieser Schlappe auch nicht durchsuchen mochten, musste das BKA selber ran – hektische Telefonate Sonntag nachmittags zwischen BKA, observierenden BeamtInnen, Bundesstaatsanwältin und Ermittlungsrichter – und das große Theater in der Wohnung aufführen. Wie gesagt, eher witzig, wenn nicht zwei Kleinkinder betroffen wären.

Wir konnten es nicht recht glauben, mussten lachen und haben dann anstandslos den schwarzen Beutel ausgehändigt. Pro Forma, damit es auch eine richtige Durchsuchung ist, mussten die beiden begleitenden Beamtinnen noch in einen alten Kaminschacht gucken. Als ich sie dabei fragte, ob gleich wer ein Schild hochhält, auf dem ‚Vorsicht, versteckte Kamera‘ steht, haben die beiden etwas gequält gelächelt.

Weil die zuständigen BeamtInnen offenbar eine ‚Augen zu und durch‘-Mentalität haben, haben sie dann auch nicht den Rückzug angetreten, als wir ihnen Beutel samt Aktenordner, inzwischen separat, ausgehändigt hatten. Mittlerweile fanden Telefonate mit den AnwältInnen statt, die wiederum telefonierten mit der Bundesanwaltschaft, Bundesgerichtshof und BKA – alles Sonntag nachmittag, und bestimmt waren alle bester Laune. Als der noch im Auto befindliche Anwalt mit leitenden Beamten in unserer Wohnung telefonierte und erfuhr, dass es wieder keinen Durchsuchungsbefehl gab, sondern den kreativen Umstand ‚mündlicher Durchsuchungsbefehl‘ (evtl., die Bezeichnung für das, was die rechtliche Grundlage sein sollte, änderte sich mehrfach), hielt sich der Beamte sein Handy spontan etwa 20cm vom Kopf weg, so dass auch wir das Gespräch entspannt verfolgen konnten.

Er blätterte dann bis zum Eintreffen der Anwältin alles Seite für Seite durch. Und weil davon auszugehen ist, dass das BKA die Ermittlungsakten kennt, bleibt eigentlich keine andere Erklärung (neben der, dass es eine irrationale Übersprungshandlung war, und ich hoffe, dass das bei Menschen, die mit Schusswaffen rumlaufen, nicht oft vorkommt) als dass er nach Notizen gesucht hat, die Andrej in den Akten gemacht hat. Das ist dann so in etwa das Einzige, was das BKA selbst mit Durchsuchungsbefehl nicht darf. Rechtsstaatlich betrachtet.

Mittlerweile hat sich ‚der schwarze Beutel‘ zu einem feststehenden Begriff entwickelt, der regelmäßig Freude auslöst. Im Englischen hat er als ‚Black Bag‘ übrigens frappierende Ähnlichkeit zu einem anderen Phantom: dem ‚Black Bloc‘.

Die einzige, die sich über all das nicht wirklich freut, ist Andrejs Mutter, die ja den Eindruck hat, gewissermaßen ‚Schuld zu sein‘. Als die Geschichte letzten Sonntag nochmal öffentlich erzählt wurde, lachte die ganze vollbesetzte Volksbühne. Nur eine lachte nicht.

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Sicherheitsknoten https://annalist.noblogs.org/post/2007/10/03/sicherheitsknoten/ https://annalist.noblogs.org/post/2007/10/03/sicherheitsknoten/#comments Tue, 02 Oct 2007 22:30:25 +0000 http://annalist.noblogs.autistici.org/post/2007/10/03/sicherheitsknoten/ Weiterlesen ]]> Ich telefoniere ab und zu mit dem BKA. Bzw. eigentlich telefoniere ich immer mit dem BKA, weil immer, wenn ich telefoniere, das BKA zuhört. Damit das niemand falsch versteht, weil ja in dieser Frage anscheinend alle immer alles falsch verstehen: ich rede nicht mit dem BKA. Es lässt sich bloss nicht vermeiden, dass sie zuhören. Und damit das jetzt das BKA nicht falsch versteht: ich versuche das nicht aktiv zu vermeiden. Laut Akten ist ja jeder Versuch, das zu vermeiden, ‘konspiratives Verhalten’ und damit zumindest bei Andrej quasi der direkte Hinweis darauf, dass gerade Anschläge geplant, durchgeführt oder wenigstens schriftlich bekannt (von: bekennen) werden. Oder vorbereitet wird, dass geplant, durchgeführt oder bekannt wird. Insofern werde ich also einen Teufel tun, mich in irgendeiner Weise konspirativ zu verhalten, was im übrigen bei derart umfassenden Überwachungsmaßnahmen ja auch gar nicht so einfach ist. Stimmt nicht ganz, ich benutze weiter GPG. Nicht ganz konsequent, aber andererseits bin ich ja auch gar nicht beschuldigt und eigentlich habe ich laut Grundgesetz und BVG ja auch ein gewisses Recht auf Privatsphäre.

Was mich daran erinnert, dass ich kürzlich in einem Telefonat versehentlich die Formulierung gebraucht habe “dann denken sie bestimmt gleich wieder, dass wir sofort irgendwelche Anschläge vorbereiten”, wobei ja meines Wissens niemand davon ausgeht, dass ich Anschläge vorbereite, und ich mir dann innerlich auf die Zunge biss, weil ja zu befürchten steht, dass das BKA samt BAW jetzt vielleicht denken, dass ich Anschläge vorbereiten wollen könnte. Was nicht so ist, (Hallo BKA, nochmal zum Mitschreiben: ich bereite keine Anschläge vor), aber vielleicht wird interpretiert, dass ich mich so sehr mit dem ganzen politisch-repressiven Schlamassel identifiziere, dass ich auch dazu gehöre? Dabei ist es lediglich so, dass ich von der Überwachung eben mitbetroffen bin und das alles insofern auch ziemlich persönlich nehme. Darüber, wie es sich auswirkt, schriftlich zu haben, dass alle Telefonate mitgehört werden, liesse sich auch einiges schreiben, vielleicht später.

Zurück zu den Telefonaten heute, die nahmen ziemlich absurde Züge  an: Andrejs Handy ‘ging nicht’ – das kommt öfter mal vor und ist soweit noch kein Problem außer vielleicht, weil die Anwältin, sagt, dass es auf jeden Fall immer an bleiben soll, um den Eindruck zu vermeiden.. siehe oben. Er ruft sich selbst von einem Festnetztelefon an, und erreicht statt seines Handys meine Mailbox. Er ruft daraufhin mich vom selben Festnetztelefon an mit der Bitte, sein Handy anzurufen, was ich auch mache. Und erreiche meine eigene Mailbox, mit der Aufforderung, meine Mailbox-PIN einzugeben, was sonst nur geschieht, wenn ich sie von einem anderen Telefon als meinem Handy anrufe. Passiert sowas, weil verschiedene Behörden gleichzeitig mithören, oder weil die Schaltungen durcheinander geraten sind? Gibt es Kommunikationstechnik-Azubis, die an uns üben?

Außerdem kommen unsere E-Mails teilweise nicht an. Nachweislich, mehrmals überprüft. Es ist mir ein Rätsel, wie das überhaupt passieren kann, aber es passiert.

Ein schönes Beispiel dafür ist Andrejs Versuch gestern abend, sich auf einer so36.net-Mailingliste einzuschreiben: auf seine -subscribe-Mails kam null Reaktion. Daraufhin habe ich als Listenadministratorin das Gleiche versucht, gestern nacht um 22:56, bis heute 21:28 ebenfalls: nichts. Er stand nachweislich nicht auf der Subscriber-Liste. Heute abend scheinen sich die IT-ExpertInnen des BKA&Co. soweit sortiert zu haben, dass wieder Mails durchkommen; inzwischen ist er subskribiert.


Vor fast genau zwei Monaten brach das Berliner LKA morgens um sieben in unsere Wohnung ein, schmiss meinen Liebsten auf den Boden, stürmte unser Schlafzimmer und die Zimmer unserer Kinder mit gezogenen Waffen und seitdem steht unser Leben Kopf. Ich kann nicht sagen, dass ich mich daran gewöhnt hätte, insbesondere, weil weiterhin die Behörden alles tun, keine Normalität aufkommen zu lassen (das ist ja vielleicht auch Sinn der Sache). Deswegen und weil ich nicht mehr ganz so fassungslos bin wie am Anfang, habe ich beschlossen, den alltäglichen Wahnsinn zu dokumentieren. Mehr dazu bei einstellung.so36.net.

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