Seda Gürses – annalist https://annalist.noblogs.org Innenansichten Sun, 13 Nov 2011 01:04:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Seda Gürses über Datenschutz im Medienradio https://annalist.noblogs.org/post/2011/11/13/seda-gurses-uber-datenschutz-im-medienradio/ Sun, 13 Nov 2011 00:12:46 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=2101 Weiterlesen ]]> Ich glaube, ich sagte schon, dass ich großer Fan von Seda Gürses bin?

Philip Banse hat sich zwei Stunden mit ihr für das Medienradio über Datenschutz unterhalten. Über die Europäische Datenschutzrichtlinie, das Google-Institut, Missverständnisse, die entstehen, wenn JuristInnen und InformatikerInnen über Datenschutz reden, warum alte Vorstellungen von Datenschutz heute sinnlos sind, aber auch über Open Data und Open Government. Und was Datenschutz heute sein könnte und müsste, der den Stand der Technik berücksichtigt.

Niemand sollte mehr über Datenschutz, und Privatsphäre, und Privacy (und den Unterschied zwischen beiden) reden, ohne hier zugehört zu haben.

Zum Embedden ist die Datei zu groß, deswegen:

 

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Seda Gürses, Michelle Teran, Manu Luksch: Interventionen zu Überwachung https://annalist.noblogs.org/post/2011/01/23/seda-gurses-michelle-teran-manu-luksch-interventionen-zu-uberwachung/ https://annalist.noblogs.org/post/2011/01/23/seda-gurses-michelle-teran-manu-luksch-interventionen-zu-uberwachung/#comments Sun, 23 Jan 2011 01:14:01 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=1371 Weiterlesen ]]> In der Zeitschrift Surveillance & Society, Sonderausgabe zu Surveillance, Performance and New Media Art, 2/2010 erschien (englisch) Ein Trialog über Interventionen im Überwachungsraum: Seda Gürses im Gespräch mit Michelle Teran und Manu Luksch.

Seda Gürses ist Informatikerin, Michelle Teran und Manu Luksch sind Künstlerinnen. Sie unterhalten sich über ihre jeweilige Auseinandersetzung mit Überwachung, und ich möchte das ganz UNBEDINGT allen zum Lesen empfehlen, die sich auch nur im weitesten für das Thema interessieren. Es gibt viel mehr dazu als den trockenen aktivistischen deutschen Lobby-Politikansatz.

Sowohl Michelle Teran als auch Manu Luksch haben die Möglichkeit, Signale von Überwachungskameras aufzufangen, in verschiedenen Kunstprojekten umgesetzt – laange bevor das in Deutschland (in den Medien) bekannt und letztes Jahr ein paar Tage ein Skandal wurde.

Michelle Teran hat bspw. mit den Bildern einer Überwachungskamera in einer Autowaschanlage in Oslo ein Freiluftkinoevent an der Außenwand eben dieser Autowaschanlage organisiert, Popcorn inklusive (der Besitzer war nicht begeistert).

Sie hat letztes Jahr den Transmediale Award für ihr Projekt Buscando Al Sr. Goodbar gewonnen. Dabei hat sie eine Bustour zu den Orten der Aufnahme von YouTube-Clips in Murcia, Spanien organisiert und so die Leute, die die Clips gemacht haben mit denen in Kontakt gebracht, die die Clips sehen. Die Bewegung des Busses war über eine Google Earth Karte zu verfolgen.

Von Manu Luksch ist der Film Faceless (Gesichtslos), gedreht nach den Regeln des „Manifestos für Überwachungskamera-FilmemacherInnen„. Der ganze Film besteht ausschließlich aus Filmmaterial von Überwachungskameras. Die Idee basiert auf dem britischen Datenschutzgesetz von 1998, nachdem alle Menschen das Recht auf ihre Daten in jeglichen rechnergestützten Datensammlungen haben, inklusive Aufnahmen von Überwachungskameras. Die dürfen dann auch weiterverwendet werden, allerdings muss die Privatsphäre von Dritten geschützt werden: sie sind im Film ‚gesichtslos‘.

Im Trialog reden beide über ihre Arbeit, die Gedanken dahinter und ihre jeweilige Motivation, sich so mit Überwachung auseinanderzusetzen. Michelle Terans Interesse hat weniger mit Privatsphäre zu tun als etwa mit der Entfremdung der Menschen von ihren Daten, sobald es diese gibt: Die Aufnahme von mir in einer Überwachungskamera, etwa in der U-Bahn: bin das ich? Ist das etwas anderes? Wie ist mein Verhältnis dazu? Habe ich Daten-Doppelgänger? Vielleicht gibt es auch mehrere, manche von mir absichtlich geschaffen, andere außerhalb meiner Kontrolle.

Manu Luksch hat für ihren Film zwar keine Bilder selbst gedreht, aber sehr viel Zeit damit zugebracht, Aufnahmen von sich durch Überwachungskameras zu erhalten. Daraus ergibt sich z.B. die Frage: werden wir in Zukunft viel mehr Zeit mit dem Management unserer Daten verbringen?

Ein anderer Aspekt berührt die Macht über Daten. In dem Moment, in dem meine Daten anfangen zu existieren, jenseits meiner Person, habe ich nicht mehr allein die Kontrolle darüber, wie sie definiert werden – etwa die Interpretation eines Bildes. „Für mich war der Prozess des Einsammelns meiner Daten eine Begegnung mit der Macht der Sprache. Wer die Macht hat, definiert die Bedeutung (notion).“ (Manu Luksch)

Ein weiteres Thema ist unser Verhältnis zu unseren neuen digitalen Identitäten. Es stellt sich die Frage, ob es möglich ist, synchron mit unseren Daten-Alter-Egos zu sein, sowohl was die selbstgeschaffenen angeht als auch die, die in irgendwelchen Datenbanken entstehen.

Schließlich reden sie über das Verhältnis zwischen Kunst und Aktivismus und die Gefahr, dass ihre Arbeit so interpretiert werden könnte, dass Überwachung dafür auch nützlich ist.

Als Aktivistin finde ich Kunst nicht immer bequem, aber sie wirft wunderbar intelligente Fragen auf.

A Trialogue on Interventions in Surveillance Space: Seda Gürses in conversation with Michelle Teran and Manu Luksch (pdf)

Und das ist ja auch eine sehr schöne Überleitung dazu, dass übernächste Woche in Berlin die Transmediale beginnt, die in der deutschen Netzpolitik mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte, denn sie hat viel mehr zu bieten als die zig Barcamps und Social-Media-Schnickschnacks.

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https://annalist.noblogs.org/post/2011/01/23/seda-gurses-michelle-teran-manu-luksch-interventionen-zu-uberwachung/feed/ 5
Seda Gürses über Privatsphäre, Datenschutz, Überwachung https://annalist.noblogs.org/post/2011/01/18/seda-gurses-uber-privatsphare-datenschutz-uberwachung/ https://annalist.noblogs.org/post/2011/01/18/seda-gurses-uber-privatsphare-datenschutz-uberwachung/#comments Tue, 18 Jan 2011 15:47:28 +0000 http://annalist.noblogs.org/?p=1355 Weiterlesen ]]> A Critical Overview of 10 years of Privacy Enhancing Technologies

Seda Gürses hat beim 27c3 eine knappe Stunde über Privatsphäre, Datenschutz, Überwachung gesprochen. Sie hat einen kritischen Blick auf den Stand der Forschung zu diesen Themen innerhalb der Informatik geworfen, einer meiner Favoriten beim letzten Kongress des CCCs. Sehr dicht und vor allem für Nicht-InformatikerInnen, die sich etwa aus netzpolitischer oder überwachungskritischer Perspektive mit den Themen auseinandersetzen, sehr lehrreich.

Neben der Geschichte der akademischen Auseinandersetzung mit Datenschutz und Privatsphäre beschäftigt sie  sich insbesondere mit Anonymisierung; Fazit: sie funktioniert nicht. Bleibt die Frage: Was dann? Weitere Themen: Ist Identitätsmanagement eine Lösung? Warum fließt soviel Geld in die Forschung dazu? Wer hat daran ein Interesse? Sie schließt mit Empfehungen für ForscherInnen und EntwicklerInnen. Ich hoffe, dass die gehört werden.

Das Paper zum Talk: George Danezis, Seda Gürses: A critical review of 10 years of Privacy Technology (pdf)

Zu sehen ist auch ein unveröffentlichtes Video, das Seda gemeinsam mit Thibault D’Alton  über Anonymizer gemacht hat. Es wird weiter überarbeitet und vielleicht wird es noch dieses Jahr eine endgültige Fassung geben. Hoffe ich!

Was mich an Seda (u.a.) begeistert ist, wie selbstverständlich sie in einem  komplexen Fachvortrag Themen wie Diskriminierung, queere Sexualität, feministische Forschung, die Bedeutung von Privatsphäre für politischen Aktivismus unterbringt. Nicht, weil ich mich zufällig auch für diese Themen interessiere (das auch), sondern weil sie zeigt, dass Privatsphäre etwas ganz anderes ist als verpixelte oder unverpixelte Bilder von Häusern, und dass das kein albernes Witzthema ist, sondern ein wesentliches gesellschaftliches Problem mit unbeantworteten Fragen.

Die Theorie bleibt nicht im Elfenbeinturm, sondern hat einen Bezug zur Realität.

Eine Seda Gürses wiegt 20 Jarvis-Rhetorik-Brecheisen auf.

Ihre eigene Ankündigung:

The objective of the session is to provide a critical overview of „privacy research“ within computer science. The mechanisms proposed in the last ten year include mechanisms for anonymous communications, censorship resistance, selective disclosure credentials (and their integration in identity management systems), as well as privacy in databases. All of these system are meant to shield the user from different aspects of on-line surveillance either through allowing a user to keep some of her data „confidential“ or by allowing her to assert „control“ over her data. We will illustrate using concrete examples, why some paradigms came to dominate the field, their advantages, but also their blind spots, and unfulfilled promises given the conditions of our surveillance societies.

In this talk, we explore the development of contemporary privacy technologies, its key results and methodologies. At its heart our argument is that the field of privacy technology was seeded by computer security and cryptography experts that rushed to apply their tools to new problems, yielding mixed results. Additional pressures from different stakeholders to devise technology that will make large IT systems acceptable to the public has led to further confusion about the goals and methods most appropriate to embed privacy friendly values into computer systems. Further, the recent trend has been to replace the confidentiality paradigm with what can be called the „control“ paradigm. Using concrete examples, we seek to explain why some paradigms came to dominate the field, their advantages, but also their blind spots, and unfulfilled promises.

Since 2000 there has been a renewed interest amongst computer scientists in the field of ”privacy technology”. This includes mechanisms for “anonymous” communications, censorship resistance, selective disclosure credentials, as well as privacy in databases – all of which are meant to shield the user from some aspects of on-line surveillance. Beyond the lab, some of those systems have been deployed and are widely used today.

Yet, the type of surveillance against which privacy technologies are supposed to offer protection is often ill-defined, and widely varying between works: from an individual who wishes “to hide an occasional purchase from his spouse”, to “groups coordinating political dissent under totalitarian regimes”. While privacy is seen as the key unifying theme of these works only one aspect of it is systematically represented, namely ”confidentiality”. Privacy as self-definition, informational self-determination or as a public good that needs to be negotiated is often neglected. Further, the increasing omni-presence of surveillance technologies, the informatisation of every day life, as well as active resistance to on-line surveillance are used as justifying departure points for privacy technologies but they have so far not been explored in depth in the privacy research field.

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